Die Wahrheit über Vollformat (im Vergleich zu kleineren Sensoren)

| Lesezeit ca. 13 Minuten

Seit einem Jahr bin ich mit meiner Canon EOS R6 unterwegs, meiner ersten Kamera mit Vollformatsensor. Mit der Kamera bin ich super zufrieden, aber hat sich das viele Geld wirklich gelohnt, oder reicht eine Kamera mit kleinerem Sensor (APS-C oder MFT) auch aus?

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Exkurs: Die Sensorgröße Vollformat, APS-C und Co.

Ganz kurz nur, damit du weißt, wovon ich rede.
Es geht um die Größe des Bildsensors in der Kamera. Als Faustregel kannst du sagen:

Je größer, desto besser.

Das gilt vor allem in Situationen mit wenig Licht, da ein größerer Sensor (= mehr Fläche) in der gleichen Zeitspanne eben mehr Licht einsammeln kann und so das Verhältnis aus echtem Signal und Rauschen besser wird.

Ein Vollformatsensor ist 36 mm x 24 mm groß und entspricht damit dem aus analogen Kameras bekannten Kleinbildformat. Kleinbildformatsensor wäre in dieser Hinsicht sogar die bessere Bezeichnung.

Gängige Sensorgrößen
BezeichnungBreite x Höhe (mm)Fläche (mm²)
Mittelformat48.0 x 36.01728.0
Vollformat36.0 x 24.0864.0
APS-C (Sony Nikon …)23.7 x 15.6369.72
APS-C (Canon)22.2 x 14.8328.56
Micro Four Thirds (MFT)17.3 x 13.0224.90
1"13.2 x 8.8116.16
  • Mittelformatkameras gibt es von Phase One, Hasselblad oder auch von Fuji mit dem GFX System
  • Vollformatkameras sind bspw. die Kameras des Canon EOS R-Systems oder die Sony A7-Serie.
  • APS-C Kameras sind bspw. das komplette Canon EOS M-System oder die Sony A6000 Serie.
  • Micro Four Thirds – Kameras sind die Systemkameras von Olympus oder die Pansonic Lumix G-Serie.
  • Einen 1-Zoll-Sensor findest du meist in Edel-Kompaktkameras wie der Canon GxX-Serie oder der Sony RX100-Serie, aber auch in Sony RX10-Serie.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt, bzw. die entscheidende Faustregel:

Je größer der Sensor einer Kamera, desto teurer das Gesamtpaket aus Body und Objektiv(en).

Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regeln, aber die Richtung ist klar und deshalb musst du dich fragen: Lohnt sich das viele Geld für ein System mit großem Sensor, oder ist das Geld woanders nicht besser angelegt?
Schließlich gilt: Ohne Motiv kein Bild! Da ist es ganz egal, wie teuer deine Kameraausrüstung ist.

Aber das klären wir jetzt 🙂

Mein Video: Die Wahrheit über Vollformat [Fazit nach 1 Jahr Canon EOS R6]

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Exkurs: Beschneiden, groß ausdrucken, Schärfe und Bildrauschen

Willst du deine Bilder stark beschneiden? Willst du sie groß ausdrucken?
Falls ja, schadet ein größerer Sensor nicht, weil du da das bessere Rauschverhalten hast.

Zumindest in der Theorie …

In der Praxis merkst du das nur bei zu wenig Licht oder bei sehr langen Belichtungszeiten. Zudem hat das verwendete Objektiv einen viel größeren Einfluss auf die Bildschärfe als der Sensor. Von daher ist es besser in ein längeres und lichtstärkeres Objektiv zu investieren, statt in einen größeren Sensor, nur um hinterher das Bild wieder zu bescheiden. Im Nachhinein das Bild zu beschneiden ist nämlich nichts anderes, als die Verwendung eines kleineren Sensors!

Zumindest in der Theorie …

In der Praxis haben die meisten Crop-Sensoren (ja, so sagt man dazu, weil sie das Bild im Vergleich zu Vollformat beschneiden = to crop), eine ähnlich hohe Auflösung wie Vollformatsensoren, was dann wiederum bedeutet, dass die einzelnen Pixel kleiner sind, weil sie weniger Platz haben.

Theoretisch schadet das der Bildschärfe und auch ein bisschen der Lichtstärke. Aber Hand aufs Herz, was bringen uns all die theoretischen Überlegungen, wenn es für die Praxis irrelevant ist? Gucken wir uns deshalb Fotos aus der Praxis an:

Vollformat:

Kookaburra EOS R6
Canon EOS R6 – RF24-240 F4-6.3 IS USM – 213 mm – ISO 800 – f/6.3 – 1/1000 Sek.

APS-C:

Seeadler Canon EOS M6 Mark II
Canon EOS M6 Mark II – EF70-300 f/4-5.6 IS II USM – 200 mm – ISO 1000 – f/5.6 – 1/400 Sek.

Oben haben wir das Bild des Vollformatsensors der Canon EOS R6, unten – der Adler – wurde mit der EOS M6 Mark II und ihrem APS-C Sensor fotografiert. Gut, wenn du dir pixelpeepend die Federn bei 100% anguckt, kannst du mit gutem Willen einen Vorteil für das Vollformat erkennen. Als Ehrenrettung für APS-C könnte ich jetzt noch die ISO 1000 anführen … aber was soll das? Guckt man sich das Bild in normaler Größer an, passt doch alles!

Es bleibt also dabei, wenn du wirklich groß ausdrucken oder das Bild stark beschneiden willst, hast du in manchen Situationen theoretisch einen Vorteil mit einem Vollformatsensor, richtig fotografiert, fällt das in der Praxis allerdings kaum auf. Deshalb verzichte ich im weiteren Verlauf dieses Blogposts darauf, dir Vergrößerungen zu zeigen.

Übrigens: Neben dem Objektiv und der Sensorgröße ist die Auflösung, deiner Bilder natürlich auch ein entscheidender Faktor für große Drucke bzw. einen starken Beschnitt.

Bilder sagen mehr als Worte

Lass uns aber Fotos verschiedener Sensorgrößen und verschiedener Motive betrachten, dann sollte schnell klar werden, ob es wirklich Vollformat sein muss, oder ob ein kleinerer Sensor ausreicht.

Landschaftsfotografie und Co.

Bei der Landschaftsfotografie ist ein hoher Dynamikumfang wichtig, d.h. die Möglichkeit große Helligkeitsunterschiede in einem Bild (ohne Workarounds wie HDR) darzustellen. Und tatsächlich gilt auch hier die Faustregel:

Je größer der Sensor, desto größer der Dynamikumfang.

Aber auch hier wird die Regel durch Ausnahmen bestätigt. Viel wichtiger ist aber: brauchst du für deine Art der Fotografie wirklich das Nonplusultra an Dynamikumfang?

Im folgenden Bild siehst du rechts das originale Foto, wie es aus der Kamera kam. In der Mitte eine dunkle Bearbeitung, ganz rechts eine helle Bearbeitung. Dank des großen Dynamikumfangs des Vollformatsensors der Canon EOS R6 kann ich das machen.

Canon EOS R6 – RF15-35mm F2.8 L IS USM – 35 mm – ISO 6400 – f/22 – 1/80 Sek.

Klar ist es toll, dass sich sowas machen lässt, aber muss das sein? Wenn ich ein helles Foto hätte haben wollen, hätte ich es direkt heller aufnehmen können, oder nicht? Ja hätte ich, wobei ich dabei Gefahr gelaufen wäre, dass die Sonne ausbrennt. Aber es wäre definitiv noch ein bisschen heller gegangen.

Kurz: Gut, dass der Dynamikumfang der Kamera so viel Luft hat, es geht aber auch mit weniger, wie das folgende Beispiel der EOS M6 Mark II (APS-C) zeigt:

Canon EOS M6 Mark II – Sigma 16mm F1,4 DC DN – 16 mm – ISO 100 – f/16 – 1/80 Sek.

Zugegeben, das APS-C Bild rauscht nach dem Aufhellen stärker als das Bild des Vollformatsensors, obwohl es mit ISO 100 aufgenommen wurde. Allerdings habe ich es nach der Aufnahme stark beschnitten. In Originalgröße fällt das Bildrauschen viel weniger auf:

Falls du wissen willst, wie man solch einen Stern um eine Lichtquelle herum erzeugt, empfehle ich dir mein Tutorial: So fotografierst du einen Sonnenstern.

Und nochmals ein Beispiel, was sich mit einem Vollformatsensor machen lässt …

Canon EOS R6 – RF 24-240mm – F4-6.3 IS USM – 24 mm – ISO 100 – f/10 – 1,3 Sek.

… allerdings habe ich die Burg Hohenzollern mit einem APS-C Sensor fotografiert. Damit hätte ich auch die Beispiele oben schießen können.

Sony a5100 – DT 55-300mm F4.5-5.6 SAM – 180 mm – ISO 100 – f/11 – 8 Sek.

Bisschen Werbung in eigener Sache:
In meinem Lightroom CC Tutorial für Kanalmitglieder zeige ich dir alle Bearbeitungsschritte des Fotos der Burg Hohenzollern. Außerdem findest du dort viele weitere Tutorials zur Bildbearbeitung.

So bearbeite ich mein Fotos:

Du siehst schon, ich bin nicht davon überzeugt, dass es unbedingt ein Vollformatsensor in der Landschaftsfotografie sein muss. Das Geld ist besser in Objektive oder noch besser in Reisen oder Ausflüge zu tollen Motiven investiert. Zumal du auf Reisen auch die Größe und das Gewicht deiner Kameraausrüstung nicht außer Acht lassen solltest. Und eine Vollformatkamera inklusive Objektiv ist definitiv nicht klein. Dazu aber gleich mehr.

Bevor wir zum nächsten Thema kommen, will ich dir aber noch das Foto einer Kompaktkamera – der Canon G5X Mark II mit 1″ Sensor zeigen. Aufgenommen habe ich es bei einer meiner Wanderungen im November. Eine Systemkamera, egal ob Vollformat, APS-C oder MFT ist mir auf meinen Touren meist zu groß. Geht aber auch ohne:

Canon G5 X Mark II – 15.1 mm – ISO 250 – f/11 – 1/100 Sek.

Porträts

Bei Porträts spielt der Dynamikumfang eine untergeordnete Rolle. Hier kommt es viel mehr auf die Farbdarstellung der Kamera an und – wenn du viel Bewegung im Bild und schlechtes Licht hast, auf gute Lowlight-Eigenschaften. Wobei letzteres tendenziell eher in der Tier- oder Sportfotografie interessant wird und nicht so sehr bei Porträts.

Canon EOS R6 – 50mm F1.8 STM – 50 mm – ISO 100 – f/1.8 – 1/4000 Sek.

Bei Porträts arbeitest du oft mit weit offenen Blenden, um dein Motiv vom Hintergrund abzusetzen. Das Foto ist bspw. mit Blende f/1.8 aufgenommen.  Um einen ähnlichen Bildwinkel mit einer Canon APS-C-Kamera zu erhalten, müsste ich deshalb mit ca. 32mm fotografieren. Allerdings bewirkt eine kürzere Brennweite eine größere Schärfentiefe, sodass ich das mit einer größeren Blende ausgleichen muss. (Das Zusammenspiel aus Blende, Brennweite und Schärfentiefe ist kompliziert, nimm es bitte einfach als gegeben hin, sonst verzetteln wir uns hier zu sehr …)

Kurz: Bei Canon APS-C entsprechen 32 mm mit f/1.4 ungefähr 50 mm f/1.8 am Vollformat.

Canon EOS M100 – EF-M 32mm F1.4 STM – 32 mm – ISO 100 – f/1.4 – 1/640 Sek.

Du siehst, das geht also auch mit kleineren Senoren …

… theoretisch.

In der Praxis ist es nämlich so, dass es schlicht und einfach nicht alle Objektive für kleinere Sensoren gibt. Um den Look eines f/1.4 oder f/1.2er Objektivs an APS-C zu bekommen, bräuchtest du eine Offenblende von ca. f/0.75 – 0.95. Und da wird die Luft natürlich dünn, erst recht bei noch kleineren Sensoren wie MFT.

Mit dem 7Artisans 50mm f/0.95 hatte ich solch ein Objektiv an meiner EOS M6 Mark II im Test (Video). Es ist zwar erstaunlich, was man alles bauen kann, ein professionelles 85mm f/1.4 ersetzt dieses Objektiv aber nicht.

Bleibt noch der Weg über einen Speedbooster. Das ist eine Linse, die den Bildkreis eines Vollformat-Objektivs auf die Größe eines APS-C oder Micro Four Thirds Sensor bringt. Das funktioniert zwar, es ist aber eine zusätzliche Linse, die unter Umständen neue Probleme mit sich bringt.

Für meine EOS Ms habe ich einen Speedbooster von Viltrox getestet:

https://youtu.be/8XPgKKZMSAU

Kurz:
Portärts sind mit kleineren Sensoren eigentlich kein Problem. Problematisch ist jedoch das Objektivangebot bei lichtstarken Objektiven.

Sport-, Tier- & Makrofotografie (High ISO)

Ich fasse die Sport-, Tier- und Makrofotografie unter einem Punkt zusammenzufassen, weil es mir um Situationen geht, in denen du kurz belichten musst, um Bewegungen einzufrieren. Das kann ein Fußballer, ein Hund oder eine fliegende Biene sein. Kurz belichten wird vor allem dann ein Problem, wenn du ein lichtschwaches Objektiv nutzt oder wenn du die Blende für eine größere Schärfentiefe schließen musst. Z.B. bei solch einem Foto:

Canon EOS R6 – RF 24-240mm – F4-6.3 IS USM – 209 mm – ISO 3200 – f/8 – 1/1250 Sek.

Ich kann dir hier kein Beispiel mit kleineren Sensoren zeigen, ich habe keins! Das heißt nicht, dass es nicht möglich ist, solche Fotos auch mit kleineren Sensoren zu schießen, aber der Autofokus der EOS R6 macht es eben einfacher. Der Autofokus, nicht der Sensor! Allerdings habe ich bei diesem Foto immer noch zu lange belichtet, um den Flügelschlag einzufrieren.

Auch beim folgenden Bild ist mir das nicht komplett gelungen, obowhl ich mit 1/5000 Sek. deutlich kürzer belichtet habe. Noch kürzer wollte ich aber nicht, weil die ISO-Empfindlichkeit schon bei 12.800 lag und die Blende weiter öffnen wollte ich auch nicht, weil sonst noch weniger von der Biene scharf gewesen wäre. Bei solch einem Motiv steckst du also in der Zwickmühle, die durch die gute High-Isoleistung eines Vollformatsensors teilweise gelöst werden kann.

Canon EOS R6 – Sigma 105mm Makro – 105 mm – ISO 12800 – f/10 – 1/5000 Sek.

Sitzende Bienen habe ich auch mit APS-C-Sensoren fotografiert, um die ISO-Empfindlichkeit aber nicht zu weit zu erhöhren, habe ich die Belende geöffnet, aber wie du siehst, ist dasdruch ein viel zu kleiner Teil der Biene scharf.

Canon EOS M50 – Sigma 105 mm Makro – 105 mm – ISO 800 – f/5.6 – 1/250 Sek.

Spätestens hier bleiben nicht mehr viele Argumente für einen kleineren Sensor. Klar, bei Makros könntest du mit Fokusstacking arbeiten, aber halt nur, wenn sich dein Motiv nicht bewegt und klar, bei Sport oder schnellen Tieren, die weiter entfernt sind, kannst du mit lichtstarken Objektiven arbeiten, um die ISO-Empfintlichkeit niedrig zu halten. Aber das klappt eben nicht immer.

Unterm Strich geht es in dieser Disziplin also hauptsächlich um die Leistung bei hohen ISO Empfindlichkeiten. Moderne APS-C Sensoren müssen sich dabei nicht unbedingt hinter nicht mehr ganz so modernen Vollformatsensoren verstecken. Deshlab kommt es auch hier wieder darauf an, was du fotografieren willst. Kann nämlich gut sein, dass dir die Leistung eines APS-C oder sogar MFT-Sensors reicht.

In diesem Video habe ich in der Nebelhöhle abwechselnd mit der Canon EOS M50 (APS-C) und der Canon EOS R (Vollformat) fotografiert und wie du siehst: Je nach Einsatzgebiet, muss sich die APS-C-Kamera nicht verstecken:

https://www.youtube.com/watch?v=rbvlV0-jR9Y

Objektivauswahl

Objektive kamen im laufe des Beitrags immer wieder vor und tatsächlich bin ich über das Objektiv zum Vollformat gekommen. Wie der Name meines Blogs schon vermuten lässt, bin ich ein Fan von Reisezoom-Objektiven, auch wenn dieser nicht gerade den besten Ruf haben. Und das Canon RF 24-240mm – F4-6.3 IS USM hat mir dermaßen gut gefallen, dass ich von APS-C ins Vollformat gewechselt bin.

So habe ich in einem Paket fast alles, was ich für meine Art der Fotografie benötige. Um all das mit APS-C zu machen, bräuchte ich viele verschiedene Objektive und müsste zudem ständig das Objektiv wechseln.

In diesem Video erkläre ich dir das Dillema:

https://www.youtube.com/watch?v=ElzFRCFmYqg

Kann gut sein, dass ich ein Sonderfall bin, wenn ich wegen eines Reisezooms ins Vollformat wechsle, aber wie schon bei den Porträts angesprochen gibt es auch noch andere Objektive, die es nur für Vollformatkameras gibt und die nicht ohne Klimmzüge an APS-C-Kameras zu nutzen sind. Neben den lichstarken Porträtbrennweiten zähle ich dazu auch die lichstarken Teleobjektive, die du bei großen Sportveranstalltungen siehst.

Natürlich funktionieren viele (hauptsächlich Canon EF) davon auch an APS-C und MFT-Kameras und gerade bei Canon sogar ohne Einschränkungen. Zu einem großen Objektiv gehört aber auch eine halbwegs große Kamera, sonst liegt die Kombination nicht gut in der Hand. Es gibt zwar große APS-C-Kameras, aber generell sind diese kleiner. Das gilt erst recht für die meisten Micro Four Thirds.

Mein Tipp:
Gucke erst, welche Objektive du brauchst und wähle danach dein Kamerasystem und die Sensorgröße aus.

Wann ist Vollformat sinnvoll?

Der Nachteil von Vollformatkameras ist der vergleichsweise höhere Preis und das höhere Gewicht sowie die Größe. Stört dich das nicht, machst du mit einer Vollformatkamera nichts falsch.

Sinnvoll ist eine Vollformatkamera,

  • wenn es ein spezielles Objektiv nur dafür gibt, wie bei mir das 24-240.
  • wenn du die maximale Leistung bei schlechtem Licht brauchst.
  • wenn du eine Auflösung benötigst, die es bei kleineren Sensoren nicht gibt.
  • wenn die Kamera Funktionen bietet (die du brauchst), die es bei anderen Kameras nicht gibt.

Natürlich wäre bei dem einen oder anderen Punkt sogar der Blick ins Mittelformat sinnvoll, allerdings wird es dann noch teurer, noch größer und noch schwerer. Außerdem gibt es im Mittelformat nur wenig Hersteller und weniger Objektive, sodass ich Vollformat als den Sweetspot aus Leistung, Preis und Größe sehe.

Trotzdem soll dieser Beitrag kein Plädoyer fürs Vollformat sein. Ganz im Gegenteil, ich hoffe, dass ich deutlich machen konnte, dass kleinere Sensoren in den allermeisten Fällen absolut ausreichend sind. Überlege dir also genau was du brauchst, und wähle danach dein Kamerasystem aus.

Vollformat: Welche Kameras würde ich kaufen?

Das soll jetzt keine Kaufberatung werden, aber klar ist, ich bin im Canon EOS R-Lager zu Hause. Der Grund ist, dass ich mit Kameras von Canon am schnellsten ans Ziel komme.

Meine Empfehlung für eine Vollformatkamera ist deshalb ganz klar die Canon EOS R6. Solltest du dich fragen, ob 20 Megapixel wirklich reichen? In diesem Video habe ich die R6 mit den 45 Megapixeln der Canon EOS R5 verglichen:

https://youtu.be/0jJEdtnqGRg

Aber auch Sony, Leica, Panasonic und Nikon haben gute Vollformatkameras im Programm. Nichts gegen Nikon, aber der Kameramarkt befindet sich in einer Konsolidierungsphase, die vermutlich nicht alle Player am Markt überleben werden. Nikon ist leider der schwächste Player.

Auch bei der L-Mount Alliance aus Panasonic, Leica und Sigma habe ich – zumindest für das Panasonic S – System – etwas Bauchschmerzen, was die Zukunft angeht.

Aber egal wie du dich entscheidest, eine Kamera und erst recht ein Objektiv wird nicht schlecht, nur weil ein System nicht mehr weiterentwickelt wird.

APS-C & MFT: Welche Kameras würde ich kaufen?

Micro Four Thirds ist auch so ein Thema, Olympus hat seine Kamerasparte erst abgestoßen und von Panasonic kommt auch nicht mehr viel neues für diese Sensorgröße. Muss aber auch nicht. Sowohl Olympus als auch Panasonic haben fantsistische Kameras und Objektive im Angebot, sodass du daran noch lange Spaß haben wirst, auch wenn nichts neues mehr kommt.

Ich persönlich finde die Panasonic Lumix G9 spannend (mein Video zur Kamera) aber auch ein Olympus OM-D E-M5 Mark III.

Kaufen würde ich mir allerdings keine MFT-Kamera.

Bei APS-C bin ich ein großer Fan der Canon EOS M6 Mark II, kann aber auch dieses System nur noch bedingt empfehlen, da es über kurz oder lang vermutlich auch eingestellt werden wird.

Bleibt unterm Strich fast nur Fujifilm übrig. Das ist der einzige Hersteller, der (neben Mittelformat) konzequent auf APS-C Sensoren setzt und auch entsprechend viele und vor allem gute Objektive dafür im Angebot hat. Mein Favorit wäre dabei die X-T4, die X-S10 oder die X-T30 II.