Fototipp 51: So fotografierst du einen Sonnenstern (geht auch mit anderen Lichtquellen)

Du kennst sicherlich Bilder, in denen die Sonne als Stern abgebildet ist und du die Sonnenstrahlen sehen kannst. Nachts entstehen solche Sterne um Straßenlaternen und anderen Lichtquellen.
Ich mag diesen Effekt und setzte ihn oft ein. Heute erkläre ich dir, wie du solch einen Stern erzeugst.

So entstehen Sonnensterne bzw. Blendensterne

Die richtige Bezeichnung ist eigentlich Blendenstern, denn die Blende ist schuld an diesem Effekt.
Die Blende besteht aus beweglichen Lamellen. Bei offener Blende sind die Lamellen weit auseinander und viel Licht kann einfallen. Bei geschlossener Blende fahren die Lamellen dicht zusammen → wenig Licht fällt ein.

Schließt du die Blende so weit, dass nur eine klitzekleine Öffnung bleibt, beugt sich das Licht um die Kanten der Blendenlamellen.
Dieser Effekt führt zum Blendenstern, aber auch zur Beugungsunschärfe.

Achtung: Das funktioniert nur mit einer Lamellenblende, weil diese keinen Kreis bildet, sondern ein Polygon. Mit einer kreisrunden Blendenöffnung würdest du keinen Stern erhalten.

Bei einer geraden Anzahl an Lamellen entspricht die Anzahl der Strahlen, der Anzahl der Lamellen. Hier überlagern sich die gegenüberliegenden Strahlen.
Bei einer ungeraden Anzahl funktioniert das mangels Symmetrie nicht. Dort erhältst du doppelt so viele Strahlen, wie Lamellen im Objektiv verbaut sind.

Aber das ist alles nicht so wichtig. Wichtig ist:

Je weiter du die Blende schließt, desto stärker die Beugung des Lichts und desto deutlicher sind die Strahlen zu sehen.

Wichtig ist auch:

Blendensterne kannst du nur um punktförmige, kontrastreiche Lichtquellen erzeugen.

Arbeite mit Blendenpriorität (A- bzw. Av-Modus). Dort kannst du die Blende bestimmen und die Kamera kümmert sich um die Belichtungszeit. Alternativ kannst du natürlich auch im manuellen Modus fotografieren.

Sonnensterne in der Praxis

Je nach Kamera und Objektiv liegt die Blendenzahl, ab der schöne Sonnensterne anfangen, anders.
Bei meiner Sony RX100 III stelle ich die Blende zwischen f/9 und f/11 ein, das ist schon ganz geschlossen. Bei meiner Sony Alpha 65 mit dem Reisezoom SAL18135 stelle ich die Blende in den mittleren Bereich, zwischen f/10 und f/22.

Hier zeige ich dir meine gesamte Fotoausrüstung.

Denke bei der Wahl der Blende auch an die Beugungsunschärfe. Je näher du der kleinsten Blende kommst, desto stärker tritt diese auf.

Bedenke auch die Belichtungszeit. Je kleiner die Blende, desto weniger Licht fällt auf den Sensor. Das heißt, du musst länger belichten oder die ISO-Empfindlichkeit erhöhen.
(Vgl. dazu Fototipp 29: Belichtungszeit, ISO & Blende im Zusammenspiel.)
Beachte die Freihandgrenze oder fotografiere mit Stativ!

Beispiele:

[Sony RX100 III – ISO 125; f/9, 2,5 Sek.] Das Bild entstand hier in Bergfelde. Das Kuriose an dem Bild: Ich schoss es ohne Stativ. Stattdessen klappte ich das Display etwas auf und lehnte die Kamera darauf. So ein Klappdisplay ist halt was Feines! 🙂

[Canon G5 x – ISO 125; f/11; 1/1000 Sek] Das Bild schoss ich beim Test der Canon G5 x am Hubertussee in Berlin-Frohnau.

[Sony Alpha 65 & SAL18135 – ISO 100; f/22; 2.5 Sek.] Diesen Sonnenuntergang kannst du in Puerto del Carmen auf Lanzarote bewundern.

Die richtige Belichtung

In die Sonne zu fotografieren stellt hohe Anforderungen an den Dynamikumfang deines Kamerasensors.
Zum einen darfst du die Sonne nicht überbelichten, sonst siehst du die Strahlen nicht, zum anderen gilt Fototipp 47: »Fotografiere so hell wie möglich«.
Das ist ein Spagat, der schwer zu meistern ist.

Hier das Foto vom See, wie es aus der Kamera kam inkl. Clipping-Anzeige: Rot bedeutet komplett weiß, blau bedeutet komplett schwarz.

Stelle deine Belichtung so ein, dass die Sonne komplett weiß ist. Im restlichen Bild aber wenig schwarze Stellen zu sehen sind. Ideal sind gar keine schwarzen Stellen.
Nutze dafür das Histogramm deiner Kamera und lasse dir das Clipping bei den Bildern anzeigen.

Am besten fotografierst du im A bzw. Av – Modus und nutzt die Belichtungskorrektur, um die Belichtung einzustellen.

Den Rest erledigst du mit der Nachbearbeitung.

Die Nachbearbeitung

Wie du deine Bilder bearbeitest, ist natürlich dir überlassen.
Im Großen und Ganzen beginnst du mit der Bearbeitung  immer gleich:

  • Belichtung etwas anheben
  • Lichter etwas verringern
  • Tiefen deutlich anheben

Damit steuerst du der Überbelichtung der Sonne und der Unterbelichtung vom Rest entgegen.
Hier das Bild von oben mit den Clipping-Informationen:

Nutze Kanten

Wie du an den Beispielen siehst, kannst du einen Sonnenstern direkt am Himmel erzeugen. Ich erziele jedoch oft bessere Ergebnisse, wenn ich eine Kante nutze und die Sonne von einem Objekt halb verdeckt wird.
Das können Bäume sein, Gebäude, der Horizont oder die eigene Frau mit dem Töchterchen auf dem Bauch …

[Sony RX100 III; ISO80; f/10; 1 /125 Sek.] Das Foto schoss ich in Zandvoort am Strand.

[Sony RX100 III; ISO80; f/9; 1 /400 Sek.] Das Bild stammt aus dem Disneyland Paris.

Blendenflecken und Schmutz

Kennst du meinen Fototipp 4: Halte das Objektiv sauber?
Das ist superwichtig, wenn du in die Sonne fotografierst. Denn die Sonnenstrahlen spiegeln sich darin und machen den Schmutz erst recht sichtbar.

Blendenflecken entstehen durch Reflexionen innerhalb des Objektivs. Vermeiden kannst du sie nicht, aber vermindern.
Achte darauf, dass nur Licht von einer Lichtquelle in das Objektiv fällt, nutze eine Streulichtblende und nutze keine Filter.

Zur Not kannst du die Blendenflecken auch bei der Nachbearbeitung entfernen. Am einfachsten geht das, indem du 2 Aufnahmen machst.
Einmal mit dem Blendenstern und einmal deckst du die Lichtquelle mit einem Finger ab.
Hinterher fügst du beide Bilder in Photoshop zusammen.

Zusammengefasst

Sonnen- bzw. Blendenstrahlen zu fotografieren ist nicht schwer. Folgende Punkte musst du dabei beachten:

  • Fotografiere mit kleiner Blende
  • Nutze Kanten
  • Achte auf die Belichtung
  • Halte dein Objektiv sauber
  • Nutze deine Streulichtblende
  • Bearbeite die Bilder

Viel Spaß damit!

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9 Kommentare zu “Fototipp 51: So fotografierst du einen Sonnenstern (geht auch mit anderen Lichtquellen)

  1. Markus

    Wow! Ein absolut super hilfreicher Beitrag. Mit viel Hintergrundwissen und Technik. Super wie Du das immer zusammenfasst und Beispiele zeigst. Ich mach dieses fotografieren jetzt ja auch schon ein paar Jährchen und finde regelmäßig immer noch sehr hilfreiche Infos bei Dir. Klasse, weiter so!!! (aber das muss ich Dir ja nicht sagen ;-)))

    1. Marc Autor des Beitrags

      Vielen Dank Markus!
      Und ja, keine Sorge. Das geht weiter so. Macht mir ja auch Spaß und bei der Recherche nach den Artikel lerne ich auch immer mal wieder etwas dazu.

        1. Marc Autor des Beitrags

          Hallo Patrick,

          in Smartphones ist die Blende fest verbaut, deshalb funktioniert das damit nicht.
          Mir fällt auch kein praktikabler Workaround ein, weil allein schon das Fotografieren in die Sonne das Bild zu zerschießt, dass man hinterher auch nicht mehr viel retten kann.
          Ein Sonnenstern ist wirklich ein Grund weiterhin eine „normale“ Kamera zu nutzen.

          Viele Grüße
          Marc

  2. Pingback: Sylvis Blog

  3. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im März 2016 - soschy on tour

  4. Pingback: Sonnenuntergang fotografieren - Ferngeweht

  5. Annemarie Glänzer

    Hallo Marc, tolle Seite mit wertvollen Tipps. Ich fotografiere sehr gerne. Allerdings wollen mir die Gegenlichtaufnahmen nicht zu meiner Zufriedenheit gelingen. Der Vordergrund ist meistens zu dunkel 🙁
    Alles Gute weiterhin, LG Annemarie Glänzer

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Annemarie,

      ohne Nachbearbeitung wird das selten was. Du musst da dann die Tiefen extrem anheben.
      Eine andere Möglichkeit (das kommt aber auf den Vordergrund an) ist, dass du den Vordergrund anblitzt oder du schießt ein HDR, entweder direkt mit der kamerainternen Funktion oder mehrere Aufnahmen, die du am Rechner zusammensetzt.

      Mit ein bisschen Übung klappt das aber alles mit einer Aufnahme und der passenden Nachbearbeitung – so mache ich es auch.

      Ich hoffe das hilft!

      Viele Grüße
      Marc

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