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Fotografieren bei Nacht: Tipps für Einstellungen und Motive [Fototipp]

Ich liebe die Nacht! Eine Zeit lang war ich sogar ein richtiger Nachtmensch, da bin ich frühestens um 4 Uhr ins Bett gestiegen, um dann den halben Tag zu verschlafen.
Das hat sich mit der Zeit aber normalisiert und jetzt mit den Kindern und dem geregelten Tagesablauf kommt es nur noch selten vor, dass ich meine Nächte am Schreibtisch verbringe.

Viel lieber bin ich draußen mit der Kamera! Denn nachts zu fotografieren, hat gleich mehrere Vorteile:

  • Bist du mit der Familie unterwegs, ist das meist die einzige Zeit, während der du dir richtig Zeit für deine Fotos nehmen kannst.
  • Es sind weniger Menschen unterwegs.
  • Es gibt tolle Lichtstimmungen (Mondlicht, Kunstlicht in Städten …)

Ich finde es einfacher, bei Nacht interessante Fotos zu schießen als bei normalen Tageslicht. Nachtaufnahmen sind allein deshalb schon spannend, weil sie eben nicht das Alltägliche zeigen. Die Welt bei Tageslicht kennt jeder, aber bei Nacht schauen viele nicht mehr so genau hin.

Oder das menschliche Auge kann es gar nicht!

Wir können so lange in den Himmel gucken, wie wir wollen. Wir werden mit unseren Augen niemals so viele Sterne sehen, wie eine Kamera bei einer Langzeitbelichtung. Unsere Augen können auch keine Sternspuren sehen oder die Streifen vorbeifahrender Autos bei länger Belichtung.

All das sind Dinge, die Nachtaufnahmen spannend machen.

So stellst du deine Kamera für Fotos bei Nacht ein

Bevor du anfängst an deiner Kamera irgendwas einzustellen, musst du wissen, ob du lange belichten kannst oder nicht.

Du kannst nicht lange belichten, wenn du Bewegungsunschärfe vermeiden musst.

  • Also entweder, weil du aus der Hand fotografierst und das Bild nicht verwackeln willst oder
  • weil Bewegung im Bild ist, die aber nicht sichtbar sein soll (bspw. weil sich Menschen im Bild befinden).

In solch einem Fall hast du 2 Möglichkeiten:

  • Die ISO-Empfindlichkeit bis zur Kotzgrenze zu erhöhen oder
  • mit Kunstlicht abreiten (z.B. Blitz).

Darum soll es hier aber nicht gehen.

Fotografiere ich bei Nacht, schraube ich die Kamera aufs Stativ und belichte lange.

Meine Grundeinstellungen

Fokussieren bei Nacht

Ist es duster, sieht der Autofokus deiner Kamera auch nicht mehr als du. Es gibt aber Workarounds, die dir trotzdem ein scharfes Bild liefern.

  1. Suche eine Lichtquelle
    In unserer zivilisierten Welt kommt es gar nicht so selten vor, dass du in der Nähe deines eigentlichen Motivs eine Lichtquelle findest. Fokussiere mit dem Autofokus darauf und verschiebe dann den Bildausschnitt.
    Das ist meine bevorzugte Art, bei Nacht zu fokussieren.
  2. Nutze das AF-Hilfslicht oder eine Taschenlampe
    Ist dein Motiv nicht all zu weit weg, kannst du versuchen es mit dem AF-Hilfslicht deiner Kamera aufzuhellen und zu fokussieren.
    Bei mir kommt es aber auch gar nicht selten vor, dass ich das Motiv mit einer Taschenlampe beleuchte, um zu fokussieren.
    Sobald der Fokus sitzt, musst du ihn einlocken, dann kannst du die Taschenlampe wieder abschalten.
  3. Manuell Fokussieren
    Hilft alles nichts, fokussiere ich manuell. Das mache ich bspw. wenn ich Sterne fotografiere … so weit reicht die Taschenlampe nämlich nicht. 🙂
    Merke dir dazu, in welche Richtung du am Objektivring drehen musst!

Tipp:
Willst du überprüfen, ob der Fokus sitzt, kannst du ein Foto mit ganz hoher ISO-Empfindlichkeit aufnehmen. So hast du schnell ein Bild. Das rauscht zwar heftig, aber dafür musst du nicht so lange warten, wie bei der langen Belichtung des eigentlichen Fotos.

Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungen

Wahrscheinlich hat deine Kamera eine spezielle Funktion, um das Rauschen bei Langzeitbelichtungen zu unterdrücken. Bei meinen Sonys heißt der Menüpunkt »Langzeit RM«.
Diese Funktion wird aktiviert, sobald du länger als 1 Sek. belichtest.
Deine Kamera nimmt dann 2 Bilder auf, einmal das eigentliche Motiv und das 2. Bild mit geschlossenem Verschluss, sonst aber identischen Einstellungen.
Mit dem 2. Bild erkennt die Kamera sogenannte Hot Pixel. Das sind Fehlsignale, die immer da sind. Diese werden dann aus dem Bild herausgerechnet.

Macht es dir nichts aus, doppelt so lange zu warten, kannst du diese Funktion guten Gewissens aktiviert lassen – die Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungen wirkt sich auch auf Fotos im Raw-Format aus.
Ich habe meist keine Lust und die Funktion deshalb deaktiviert. 🙂

Ausführlicher habe ich das Thema im Fototipp: »Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungen: Was das ist und wann du das brauchst« behandelt.

Beispiele​

Mondlicht

Vollmond ist absolut genial, weil es auch nachts recht hell ist, du aber eine komplett andere Lichtstimmung hast wie tagsüber.
Die Beispiele zeigen die alte Einflieghalle der Heinkel-Werke in Oranienburg.
Fotografiert mit der Lumix LX15 (bei Amazon.de).

Einflieghalle Heinkel Oranienburg Mondlicht

ISO 125 – 9.1 mm – f/4.0 – 60 Sek.

Einflieghalle Heinkel Oranienburg Mondlicht

ISO 400 – 8.8 mm – f/1.8 – 5 Sek.

An diesen Beispielen siehst du übrigens schön, wie ich beim »Selfie« die Blende geöffnet und die ISO-Empfindlichkeit erhöht habe, damit nicht so lange belichtet werden muss.
Ich kann schließlich keine 60 Sekunden stillstehen! 🙂

Mond und Sterne

Den Mond direkt zu fotografieren macht genauso viel Spaß, wie die Umgebung bei Mondlicht einzufangen.
Neben dem Mond gehe ich aber auch regelmäßig auf die Jagd nach Sternen.

Das Beispiel zeigt den Supermond vom 13.11.2016. Fotografiert mit meiner guten alten Sony Alpha 65 und dem Teleobjektiv SAL-55300 (bei Amazon.de).

Supermond

ISO 100 – 300 mm – f/8 – 1/40 Sek.

Das folgende Bild habe ich mit einer Canon G7 X Mark II geschossen (mein Testbericht der G7 X II).

Sterne

ISO 500 – 8.8 mm – f/1.8 – 15 Sek.

Bei der Milchstraße hatte ich bis jetzt nicht so viel Glück. Letzten Sommer war ich einmal im Sternenpark Westhavelland, allerdings war die Luftfeuchtigkeit recht hoch, so dass die Fotos nicht ganz so gut wurden.
Trotzdem ist die Milchstraße ein tolles Motiv!
Fotografiert mit einer Sony a68 (mein Testbericht) und dem SAL-18135.

Städte und Industrie

Nachts in der Stadt ist einfach toll – du hast Zeit, dir läuft niemand ins Bild und wenn es bewölkt ist, ist es auch nicht so wild.

Das Beispiel stammt vom Potsdamer Platz in Berlin. Fotografiert mit der Sony a65 und dem Sigma 8-16 (bei Amazon.de).

Gerade in Berlin bietet sich aber auch das Festival of Lights für eine nächtliche Fototour an.

Potsdamer Platz Berlin bei Nacht

ISO 100 – 8 mm – f/10 – 1.6 Sek.

Spannend sind auch beleuchtete Industrieanlagen. Das nächste Foto zeigt einen Teil der Leuna-Werke. (Fotografiert mit der Sony a65 und dem SAL-18135.)

ISO 100 – 70 mm – f/18 – 15 Sek.

Lichtspuren/Sternspuren

Ich sagte es oben schon, Lichtspuren oder Sternspuren sind allein deshalb schon interessant, weil es etwas ist, das wir mit unseren Augen gar nicht sehen können.
Da reicht teilweise schon eine banale Straße mit fahrenden Autos für ein tolles Motiv.
Das Foto schoss ich mit einer Canon EOS M3 (hier ein Vergleich aller aktuellen EOS M-Modelle | die Kamera bei Amazon.de).

Lichtspuren

ISO 250 – 18 mm – f/11 – 30 Sek.

Auch Sternspuren sind Lichtspuren. Vielleicht hat deine Kamera ja ein spezielles Programm dafür. Das Bild schoss ich mit einer Canon G9 X Mark II (mein Testbericht).

Feuerwerk und Lightpainting

Auch ein Feuerwerk sind Lichtspuren!
Das Foto zeigt die Himmelspagode in Hohen Neuendorf – ein riesiges chinesisches Restaurant. Das Feuerwerk wurde anlässlich des chinesischen Neujahrs abgeschossen.

Fotografiert habe ich das Bild mit einer Sony a5100 (meine Meinung zur Kamera | bei Amazon) und dem Walimex Pro 12 mm (bei Amazon)

Feuerwerk Himmelspagode Hohen Neuendorf

ISO 100 – 12 mm – f/? – 30 Sek.

Weitere Beiträge zum Thema Feuerwerk:

Du kannst aber auch eine Lampe oder Wunderkerzen in die Hand nehmen und damit in die Luft schreiben. Lightpainting machen wir jedes Jahr zu Silvester!

Fotografiert habe ich das Bild mit der Lumix LX15.

Lightpainting zu Silvester

ISO 125 – 16.1 mm – f/3.5 – 5 Sek.

Fotografieren bei Nacht: Mein Fazit

Was soll ich sagen? Nachdem ich mit diesem Beitrag hier fertig bin, kann ich es gar nicht erwarten, dass die Nacht hereinbricht und ich zu einer Fototour starten kann.
Fotografieren bei Nacht ist toll und bietet eine Fülle von Möglichkeiten!

Wie siehst du das? Fotografierst du auch gern bei Nacht?

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10 Kommentare zu “Fotografieren bei Nacht: Tipps für Einstellungen und Motive [Fototipp]

  1. Lutz Bommersbach

    Fotografieren bei Nacht mache ich auch gern. Ich habe mich einfach mal am eine Kreuzung gestellt und 30s belichtet. Es Songs recht gute Nachzieher von Blinkern entstanden. Aber jeder zweite der vorbei gefahren ist, hast sich belästigt gefühlt und gehupt. Ich habe mich schon auf eine schnelle Flucht vorbereitet. Gerade heute wo so viel Gewaltbereitschaft herrscht, ist das nicht ohne.

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Lutz,

      hier auf dem Land bin ich mir mit der Kamera am Straßenrand auch schon etwas komisch vorgekommen, gehupt hat aber keiner.
      In Berlin gibt es aber so viele Touristen, die mit ihren Kameras durch die Stadt ziehen, dass ich da keiner mehr belästigt fühlt.

      Viele Grüße
      Marc

  2. Marcel

    Ich kann mich deiner Begeisterung nur anschließen. Ich liebe es auch, abends oder nachts zu fotografieren. Die ganzen Beleuchtungen speziell in der Großstadt und bei uns in Hamburg am Hafen sind genial. Man erhält so tolle Ergebnisse, gerade bei geschlossener Blende. Ich bin auch gerade ganz närrisch nach Langzeitbelichtungen. Und wie du erwähnst, ist man dann nicht mit der Familie unterwegs und hat richtig viel Zeit, sich auf die Fotos zu konzentrieren.
    Ich habe gerade eine ganze Serie von Nachtfotografien bei mir im Blog veröffentlicht, vom Hafen über Dockland bis zur Fischauktionshalle. Und ich bin echt begeistert.

    1. Marc Autor des Beitrags

      Deine Fotos habe ich gesehen und bin richtig neidisch. Gerade der Hafen macht Hamburger bei Nacht noch einen Ticken fotogener als Berlin! 😀

  3. Oli

    Weisst du, was mir passiert ist? Als ich in Island das geilste Nordlicht aller Zeiten sah, konnte ich im Dunkeln einfach nicht mehr die Einstellung für die Langzeitbelichtung finden (und bei nahezu null Grad hatte ich beim Suchen auch nicht viel Geduld,…) Das würde dann wohl zur Kategorie Nachteile bei Nachtfotografie gehören.

    1. Marc Autor des Beitrags

      … oder zu den Nachteilen der Kälte.
      Kälte ist immer blöd, als ich die Sternspuren fotografiert habe, war ich so durchgefroren, dass ich hinterher kaum noch das Stativ abbauen konnte und als ich das Selfie an der Heinkel-Halle gemacht habe, hats mich voll aufn Hintern gepackt, als ich von der Kamera zur Halle gerannt bin 😀

  4. Patrick

    Mein einziges Milchstraßenfoto habe ich auch im Sternenpark Westhavelland machen wollen. Geblieben ist die vor allem die Erkenntnis, dass ich beim nächsten Mal meine Freundin nicht mitnehme. Ich hatte gerade alles aufgebaut und die Kamera eingestellt, da heulten vermeintlich Wölfe in der Nähe. Meine Freundin hat dann ziemlich Panik bekommen und wollte nur noch weg, so dass ich bloß ein Foto machen konnte. Meine Einwände („Es gibt hier in dieser Gegend keine Wölfe, höchstens auf einem Truppenübungsplatz, der aber zig Kilometer weit weg ist) halfen nix. Am nächsten Morgen im Hotel nachgefragt, die Gastwirtin erzählte, dass da ganz in der Nähe eine Huskie-Zucht sei und die Viecher in der Nacht halt mal heulen. Leider war das dann auch unser letzter Tag dort.

    Da ich meinen Urlaub aber häufiger in Havelberg verbringe, was da ganz in der Nähe ist, werde ich es bei Gelegenheit noch einmal probieren. Alleine.

    1. Marc Autor des Beitrags

      Haha, ich habe dort Bekanntschaft mit ein paar Wildschweinen gemacht. Danach war ich auch bedient.
      Ich stand halt mitten im Dunkeln, als ich die Viecher plötzlich gehört habe und die recht dicht an mir vorbeigerannt sind.
      Wölfe machen aber doch eh nix!

      Mein Learing ist auf jeden Fall bei Tag hinzufahren. Ich hatte damals erst nachts beschlossen loszugehen und war entsprechend planlos.

      Aber die Milchstraße rennt ja nicht weg 🙂

      Viele Grüße
      Marc

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