10 Tipps für gestochen scharfe Fotos [Fototipp 61]

Kennst du das? Auf dem Display deiner Kamera sieht dein Bild gestochen scharf aus, zu Hause am Rechner und auf dem großen Monitor kommt dann die Ernüchterung – doch nicht so scharf!
Damit sich das in Zukunft ändert, geben ich dir hier 10 Tipps für schärfere Bilder.

1. Sensor, Frontlinse & Filter sauberhalten

Dieser Punkt sollte eigentlich klar sein, oder?

Aber nochmal zum Thema Schärfe:
Staub und Schmutz sind ein Hindernis für das Licht. Auch wenn du es nicht auf den ersten Blick siehst, wenn du durch eine staubige Linse fotografierst, leidet die Schärfe.
Viel schlimmer ist aber der Schmutz, denn du tatsächlich im Bild siehst. Klar kannst du all das wegstempeln, aber das kostet Schärfe!

Also:
Achte darauf, dass alles sauber ist. Das gilt auch für Objektive, die länger im Regal standen. Der Objektivdeckel ist nicht staubdicht!
Bist du draußen unterwegs, musst du während einer Fototour die Frontlinse immer wieder putzen. Ich vergesse das manchmal und ärgere mich hinterher über meine eigene Dummheit!

Der Kamerasensor und ggf. der SLT-Spiegel müssen selbstverständlich auch picobello sauber sein. Sonst bringt dir die sauberste Linse nichts.

Fotografierst du mit Filtern, müssen auch diese sauber sein. Generell solltest du nur dann Filter einsetzen, wenn diese auch wirklich notwendig sind. UV-Filter halte ich für überflüssig.

Mein passender Fototipp dazu: Fototipp 4: Halte dein Objektiv sauber (putze die Frontlinse)

2. Fokussiere auf den richtigen Punkt

Je nach gewählter Fokussiermethode sucht sich deine Kamera selbst die Punkte, auf die sie fokussiert. Aber ist das auch wirklich die Stelle, auf die du scharfstellen wolltest?
Besser ist es, du gibst der Kamera den Fokuspunkt vor, dann bist du sicher, dass auf die richtige Stelle fokussiert wird.

Achtung:
Auf die richtige Stelle zu fokussieren, ist zwar ein wichtiger Punkt, ob das aber 100%ig sitzt, steht auf einem anderen Blatt.
Manchmal ist der Fokuspunkt zu groß für dein Objekt oder Kamera und Objektiv spielen nicht richtig zusammen.
In diesem Fall musst du manuell nachhelfen. Nutze dabei die Fokusvergrößerung und die Kantenanhebung.
Wie gut deine Kamera-Obejktiv-Kombination den Fokus trifft, musst du selbst herausfinden. Das ist immer unterschiedlich. Glücklicherweise passt es oft ganz gut. 🙂

Fokusvergrößerung

3. Wähle die ISO-Empfindlichkeit so niedrig wie möglich

Je höher du die ISO-Empfindlichkeit wählst, desto mehr Rauschen ist in deinem Bild sichtbar. Rauchen kannst du in diesem Fall mit verlorenen Details gleichsetzen, was nichts anderes ist als weniger Schärfe.
Manchmal hast du keine Wahl und musst die ISO-Empfindlichkeit erhöhen. Das sollte aber der allerletzte Schritt sein. Prüfe vorher, ob du die Blende weiter öffnen kannst, ob du länger belichten kannst oder ob du irgendwo mehr Licht herkriegst.

Übrigens:
Beim nachträglichen Entrauschen werden deine Bilder »glattgezogen« und weicher. Auch das kostet Schärfe!

Vgl. dazu meinen Fototipp 58: Alles was du über Bildrauschen & die ISO-Empfindlichkeit wissen musst.

4. Blende etwas ab

Objektive liefern bei verschieden Blendeneinstellungen unterschiedliche Schärfe. Generell sind die Bilder bei Offenblende nicht ganz so scharf, wie bei etwas geschlossener Blende.
Wo dein Objektiv die schärfsten Bilder liefert, musst du ausprobieren. Oft reicht es 2-3 Stufen abzublenden.

Achtung Beugungsunschärfe!
Zu viel des Guten ist auch nicht die Lösung! Blendest du zu weit ab, wird in deinem Bild Beugungsunschärfe sichtbar.
Vgl. dazu Fototipp 19: Beugungsunschärfe, oder warum du nicht zu weit abblenden sollst.

Mit der Blende steuerst du auch, wie groß der Schärfebereich in deinem Bild ist, sprich: die Schärfentiefe!
Je kleiner du die Blende wählst (=große f-Zahl), desto größer wird deine Schärfentiefe. Selbst wenn du mit großer Schärfentiefe fotografierst, ist es wichtig, auf die richtige Stelle zu fokussieren!

Weitere Fototipps zum Thema:

5. Nutze ein Stativ oder beachte die Freihandgrenze

Ein Stativ ist kein Hexenwerk, es bewirkt aber Wunder!
Glaub mir, das letzte Quäntchen an Schärfe kannst du nur herausholen, wenn du nicht aus der Hand fotografierst!
Also: Nutze ein Stativ, einen Bohnensack oder lege die Kamera sonst irgendwo ab. Hauptsache du hältst sie nicht in der Hand.

Wichtig!
Sobald du nicht aus der Hand fotografierst, musst du den Bildstabilisator abschalten!

Auch wichtig:
Spare nicht am Stativ! Dein Stativ muss stabil stehen, auch wenn ein Windstoß kommt. Das gilt auch für den Kopf deines Stativs.

Passender Fototipp: Benutze dein Stativ zur rechten Zeit

Ich weiß, ich weiß … manchmal haut das mit dem Stativ nicht hin (der innere Schweinehund und so … ).
Fotografierst du aus der Hand, aktivierst du bitte den Bildstabilisator und achtest auf die Freihandgrenze.
Vgl. dazu Fototipp 48: Die Freihandgrenze – Fotografieren aus der Hand

6. Arbeite mit einem Fernauslöser (oder nutze den Selbstauslöser)

Selbst wenn du mit einem Stativ arbeitest, es reicht schon die minimalste Bewegung, wenn du den Auslöser drückst. Schärfe ade!
Es gibt 2 Möglichkeiten, um das zu verhindern:

  • Benutze einen Fernauslöser oder
  • nutze den Selbstauslöser.

Übrigens:
Der Selbstauslöser hilft dir auch, schärfere Bilder zu schießen, wenn du aus der Hand fotografierst. Aber das sollst du ja eh nicht! 🙂

Mehr zum Selbstauslöser: Fototipp 15: Der Selbstauslöser, immer wieder ein brauchbares Feature

7. Nutze die Spiegelvorauslösung

Fotografierst du mit einer klassischen DSLR, muss der Spiegel hochgeklappt werden, damit das Licht auf den Sensor fällt.
Kaum zu glauben, aber auch das führt zu kleinen Verwacklungen!

Nutze in diesem Fall die Spieglvorauslösung und klappe den Spiegel hoch, bevor du das Foto schießt.
Je nach Hersteller heißt diese Funktion auch: Spiegelvorverriegelung oder auf Englisch Mirror lockup.

Fotografierst du mit einer spiegellosen (DSLM) oder mit einer SLT-Kamera, musst du dich darum nicht kümmern.

8. Sorge für genügend Licht (besser kurz belichten als länger)

Das Bildrauschen nimmt bei längeren Belichtungszeiten zu. Wenn du die Möglichkeit hast, die Szene besser auszuleuchten, statt länger zu belichten, dann mach das! (Bspw. mit einem Blitz.)

Es ist zudem besser, wenn du deine Bilder tendenziell leicht überbelichtest. Musst du die Belichtung in der Nachbearbeitung erhöhen, wird Rauschen in den Tiefen sichtbar. Die Belichtung nachträglich zu reduzieren, schadet dem Bild jedoch nicht.

Auf dem linken Bild habe ich mit Blitz fotografiert, Rauschen ist kaum zu sehen. Rechts wurde dafür länger belichtet.

Fototipps:

9. Halte den Abstand zum Motiv kurz

Mit einem Teleobjektiv auf 10 km Entfernung wirst du nicht so scharfe Bilder machen, wie bei einem 1 m entfernten Objekt.
Unsere Luft ist nicht klar genug. Dunst aber auch Thermik, Hizeflimmern – oder wie auch immer man das nennt – kosten Schärfe.

Unscharf wegen Hitzeflimmern

10. Nutze ein hochwertiges Objektiv

Bis jetzt waren alle Tipps umsonst. 🙂
Leider ist es aber so, dass du mit einem hochwertigeren Objektiv schärfere Bilder machst.
Ich sehe immer wieder Menschen, die eine teure DSLR nutzen und mit dem billigen Kit-Objektiv fotografieren. Das geht, aber gestochen scharfe Bilder wirst du damit nicht machen.

Tipp:
Spare am Body, nicht am Objektiv!

Welches Objektiv das beste für dich ist, kann ich dir nicht sagen. Ein Anhaltspunkt ist der Preis, ein anderer der Brennweitenbereich.
Als Faustregel gilt, dass die Bildqualität (bzw. die Schärfe) leidet, je mehr Spielraum du bei der Brennweite hast.
Kurz: Festbrennweite top, Reisezoom flopp!
Keine Frage, es gibt gute Zoomobjektive, wenn es aber um das letzte Quäntchen Schärfe geht, bist du mit einer Festbrennweite besser beraten. In einem Zoomobjektiv sind deutlich mehr Linsen verbaut als in einer Festbrennweite. All das sind Störfaktoren für die Schärfe.

Bonus:
Festbrennweiten gibt es recht günstig!

Sonderfall: Bewegtes Motiv

Bewegt sich dein Motiv, sind all die Tipps für die Katz. Willst du ein sich bewegendes Motiv scharf fotografieren, d.h. ohne Bewegungsunschärfe, musst du alles der Belichtungszeit unterordnen.
Die Belichtungszeit richtet sich dabei an der Geschwindigkeit der Bewegung. Einen schlafenden Menschen bekommst du vielleicht mit 1/8 Sek. scharf. Für einen Rennwagen, der mit Höchstgeschwindigkeit an dir vorbeifährt, reichen aber 1/2000 Sek. nicht.

Am besten nutzt du die Objektverfolgung des Autofokuses, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auf das Objekt der Begierde beim Auslösen richtig fokussiert wird.

Bonus: Bearbeite deine Bilder

Wenn du alle 10 Punkte beachtest, solltest du jetzt ein gestochen scharfes Foto auf der Speicherkarte haben.
Jetzt musst du dafür sorgen, dass die Schärfe auch beim Betrachter richtig ankommt. Ich nutze dafür den Dynamik Contrast-Filter aus PerfecEffects. Es hilft auch, den Kontrast in Lightroom etwas anzuheben.

Links ist vor der Bearbeitung, rechts danach.

Nachschärfen solltest du auch, aber nicht zu viel!

Merke:
Die eigentliche Schärfe legst du bei der Aufnahme fest. Bei der Nachbearbeitung bringst du diese richtig zur Geltung.

Wichtig:
Bilder drehen, skalieren, Verzeichnungen korrigieren, geraderichten und zu heftig bearbeiten kostet Schärfe! Sei also vorsichtig bei der Nachbearbeitung.

Zusammenfassung

Bei 3 von 10 Punkten geht es darum, Verwacklungen zu vermeiden. Die anderen Punkte sind zwar genau so wichtig, aber wenn du mit einem Stativ arbeitest, hast du schon sehr viel gewonnen. Auch wenn es manchmal nervt, mach es! Das bringt dich wirklich weiter!

Neben den Verwacklungen ist es auch wichtig, dass das Licht in bestmöglicher Qualität auf den Sensor trifft. D.h., du brauchst ein gutes und sauberes Objektiv, du musst richtig fokussieren und für genügend Licht sorgen.

Mit welcher Kamera du fotografierst, ist zweitrangig. Die Sensoren der letzten Jahre sind alle gut genug und bieten ausreichende Auflösung für scharfe Bilder. Denke also gar nicht erst über eine neue Kamera nach, wenn du mit der Schärfe deiner Bilder nicht zufrieden bist, sondern überlege dir, ob du alle 10 Punkte beachtet hast.

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4 Kommentare zu “10 Tipps für gestochen scharfe Fotos [Fototipp 61]

  1. maraike

    Zu dem UV Filter: fototechnisch bringt er tatsächlich nichts (mehr), aber er schützt das Objektiv. Mir ist zum Beispiel im Urlaub mal meine Kamera heruntergefallen (Asche auf mein Haupt) und lediglich der Filter hat das nicht überlebt, es war ein fetter Sprung drin. Zum Glück war es nur der Filter! Ich denke ein bisschen schützen die Filter schon vor äußeren Einflüssen und jeder Krümel, der nicht in den Katakomben der Kamera landet ist ein guter Krümel. Sag ich mal so 😀

    1. Marc Autor des Beitrags

      Die Frage ist halt, ob ohne Filter was passiert wäre. Aber klar, ein bisschen Schützen die Teile schon, viel mehr bringt in dieser Hinsicht aber die Gegenlichtblende … würde ich sagen 🙂
      (Mir fallen ständig Kameras runter … oder sie werden runtergeschmissen, du darfst die Asche wieder abwischen! :D)

  2. wilf42x

    meine Frage zu „Bonus“-Kapitel in diesem „Fototipp-61“:

    Genauso wie dieser gelbe Löwenzahn links schauen alle meine Bilder aus (CANON 1000D, Objektiv-Standard,STM).
    Eigentlich finde ich sie viel schöner, wenn sie so scharf sind wie der rechte Löwenzahn.

    Macht es wirklich Sinn, alle Bilder nachzubearbeiten??

    MIt der modernen Technik muss es doch möglich sein, Bilder direkt in dieser Schärfe auf die Speicherkarte zu bekommen…. oder jage ich da dem Phantom nach dem „perfekten Bild“ nach?

    1. Marc Autor des Beitrags

      Canon hat den Bildstil – ich weiß allerdings nicht, ob es den auch in der 1000D gibt – damit kannst du Schärfe und Kontrast einstellen und tatsächlich in der Kamera einiges reißen. Aber du kannst in der Kamera niemals so viel machen, wie nachträglich am Rechner (oder wie ich es mache am Tablet), weil du eben selektiv schärfen bzw. die Kontraste erhöhen musst und das bei jedem Bild anders ist.
      Also nein, ich glaube nicht, dass es möglich ist ständig solche perfekten Bilder aus der Kamera zu bekommen. Das kann mal passen, aber sicher nicht immer.

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