Scheiß aufs Licht!

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Wer unterwegs fotografieren will, hat nicht die Zeit, auf perfektes Licht zu warten. Deshalb sage ich: Scheiß drauf! In diesem Beitrag gebe ich dir Tipps, wie du bei verschiedenen Lichtverhältnissen gute Fotos schießen kannst.

Hallo! Ich bin übrigens Marc!

Ich bin begeisterter Papa, Blogger, YouTuber, Foto- und Reisefuzzi.

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Seit ich diesen Blog 2014 ins Leben gerufen habe, dreht es sich hier ums Fotografieren unterwegs. Von Anfang an waren das Reisen und Ausflüge, oft mit der Familie, jetzt – seit Anfang 2021 – fotografiere ich viel auf langen Wanderungen. Je nachdem, wie lange ich diesen Blog noch betreiben werden, wird es wohl irgendwann ums Fotografieren auf Kaffeefahrten für Rentner gehen 🙂

Wie auch immer, es ist an der Zeit, mein Wissen über die Fotografie unterwegs und quasi nebenbei in Worte zu fassen, was ich mit einer neuen Artikel- und Videoserie tun werden.

Das hier ist Teil eins, mit dem für Fotografen ketzerischen Titel: Scheiß auf’s Licht!

Scheiß auf’s Licht – das Video zum Thema

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Fotografieren ist Malen mit Licht. Aber …

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Zitat mit dem Malen und dem Licht so ganz stimmt, ich erinnere mich aber an ein Zitat von Andreas Feininger, welches ich schon in einem anderen Fototipp zitiert hatte:

„Bei ungünstigen Lichtverhältnissen oder unfotogenen Motiven ist es eine Kunst, nicht auf den Auslöser zu drücken!“

Und das sagt eigentlich alles, entweder

  • du hast tolles Licht, dann sehen auch durchschnittliche Motive gut aus, oder
  • du hast ein tolles Motiv, dann ist das Licht nicht mehr ganz so wichtig.

Beides zusammen (also tolles Licht und tolles Motiv) ist natürlich der Hauptgewinn. Dafür brauchst du entweder Glück, Zeit oder ein Studio, wo du mit künstlichen Lichtquellen arbeiten kannst, was im Prinzip auch wieder Zeit kostet.

Bist du unterwegs, hast du kein Studio und Zeit ist auch so eine Sache. Erzähle im Familienurlaub deiner Familie mal, dass du hier 2 Stunden warten musst, bis die Sonne untergeht und nach den 2 Stunden, dass du morgen wieder herkommen musst, weil die Wolken nicht perfekt waren … alternativ kannst du dir das auch auf einer Kaffeefahrt mit Rentnern und frisch gekauften Heizdecken vorstellen, oder einfach nur auf einer vorher geplanten, 50 km langen Wanderung.

Kurz: Willst du unterwegs tolle Fotos machen – und das Fotografieren soll trotzdem nicht im Mittelpunkt stehen – bleibt dir nur noch Glück. Aber Glück hast du nicht immer, also arrangierst du dich am besten mit den jeweils vorherrschenden Lichtverhältnissen.

Das klappt.

Das muss klappen!

Willst du unterwegs fotografieren, ist die Regel Nr. 1 „Scheiß auf’s Licht!“

Versuche stattdessen spannende Motive und interessante Blickwinkel zu entdecken, oder gebe alles bei der Nachbearbeitung. Auch damit lässt sich noch wahnsinnig viel aus einem Foto herausholen. Auf all das werde ich im Laufe dieser Serie noch eingehen. Jetzt möchte ich dir aber Beispielfotos bei verschiedenen Lichtverhältnissen zeigen, damit du siehst, dass es auch ohne perfektes Licht und ohne Planung, quasi im Vorbeigehen, möglich ist, tolle Fotos zu machen.

Kurze Info zu den folgeden Fotos. Ich habe extra nur Fotos ausgewählt, die ich auf meinen ausgedehnten Wanderungen seit Anfang 2021 aufgenommen habe, damit du siehst, dass es immer irgendwie möglich ist, ein brauchbares Foto zu schießen. Die meisten Fotos sind nachbearbeitet, für die Nachbearbeitung meiner Fotos wird es aber noch einen eigenen Beitrag geben.

So bearbeite ich meine Fotos:

30 Grad, strahlender Sonnenschein

Die folgenden beiden Fotos wurden bei einer Wanderung während eines heißen Sommertages durch Berlin aufgenommen. Mitte Juni, super heiß, die Sonne steht so hoch, wie sonst das ganz Jahr über nicht, keine Wolken … nicht unbedingt das Licht, bei dem Fotografen Freudensprünge vollführen.

Ich liebe solche Tage, entsprechend gut gefallen mir auch die Bilder. Kurz: Scheiß aufs Licht!

Anflugbefeuerung TXL

Die Anflugbefeuerung des ehemaligen Flughafens Berlin Tegel

Belvedre Schlosspark Charlottenburg

Das Belvedere des Schlossparks Charlottenburg

Du siehst, bei beiden Bildern zeige ich nicht viel Himmel, weil er langweilig ist. In solchen Fällen ist es wichtig, einen passenden und spannenden Blickwinkel zu finden.

Regenwetter

Regenwetter muss nicht unbedingt schlechtes Licht sein. Ganz im Gegenteil, Wolken wirken wie ein Diffusor und produzieren weiches Licht. Wenn ab und zu ein bisschen die Sonne durch die Wolken scheint, lassen sich die besten Fotos machen (Glück! :-D). Trotzdem packe ich Regen mit in diese Kategorie, weil Regenbilder schnell trostlos wirken und das kommt auf Fotos selten gut.

Im Prinzip hast du dann 2 Möglichkeiten (oder 3, wenn kein Foto machen für dich eine Möglichkeit ist).

1. Nimm es, wie es ist und zeige es. Das kann funktionieren – mich hauen solche Fotos jedoch selten vom Hocker.

Steeg Mühlensee Vehelfanz

Das Foto zeigt den Steeg über den Mühlensee bei Vehlefanz (Oberkrämer). Aufgenommen mit dem Smartphone, da ich sonst keine abgedichtete Kamera dabei hatte.

2. Zeige nicht das große Ganze, sondern konzentriere dich auf Details!

Blüte im Regen

z.B. eine Blüte im Regen

Kurz: Wie beim Licht, musst du auch das Wetter so nehmen, wie es ist. Auch wenn es manchmal schwerfällt. Was ich dann gerne machen, ich bescheiße bei der Nachbearbeitung 🙂
Es hat zwar auf dem linken Bild auch nicht mehr geregnet, schönes Wetter war trotzdem nicht. Also habe ich die Farben gesättigt, das Bild aufgehellt, den Dunst entfernt und damit die Kontraste verstärkt und mit dem Pinsel im Himmel selektiv einen Farbtemperatur mit ordentlich Blaustich hinzugefügt. Und schon sieht das Foto viel freundlicher aus.

Schönes Wetter durch die Nachbearbeitung

Ein paar einfach Tricks und schon sieht das Wetter auf dem Foto besser aus, als es tatsächlich war.

Die beiden letzten Fotos stammen übrigens von meiner Wanderung um Berlin mit verschiedenen Canon RF Objektiven.

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Zu wenig Licht

Zu wenig Licht ist nur deshalb doof, weil du dann kein Licht hast, auf das du „scheißen“ kannst. Aber Spaß bei Seite. Die Kamera irgendwo stabil ablegen oder ein Stativ nutzen und einfach länger belichten, geht eigentlich immer.

Grenzturm Bergfelde bei Nacht

Das ist der ehemalige Grenzturm in Bergfelde, während meiner Wanderung auf dem Berliner Mauerweg.

Für solche Fotos und generell für „Selfies“ habe ich ein klitzekleines Mini-Stativ unter der Kamera. Das ist nicht perfekt, aber doch ganz praktisch.

In dem Foto des Grenzturms siehst du aber schön, was ich eigentlich mache, wenn zu wenig Licht ist. Ich leuchte das Motiv einfach an. Nicht mit dem Blitz – ich blitze praktisch nie – sondern in dem Fall mit meiner Stirnlampe, habe ich die nicht dabei, muss die Taschenlampe des Smartphones reichen. Das ist besser als nichts, es ist nur umständlich, mit der einen Hand zu fotografieren, während du mit der anderen Hand leuchtest.

Im Keller

Im Keller, ausgeleuchtet mit dem Smartphone und dann aufgehellt.

Dieses Bild habe ich bspw. so aufgenommen, zusätzlich habe ich aber auch die ISO Empfindlichkeit der Kamera erhöht. Das Foto wurde mit einer Canon EOS R5 aufgenommen, sodass es ich trotzt hoher ISO Empfindlichkeit das Bild im Nachhinein aufhellen konnte.

Kirche Fürstenberg Havel

Die Kirche in Fürstenberg (Havel) bei Nacht

Manchmal musst du gar nicht selbst die Lampe halten, gerade in Städten und Ortschaften sind Sehenswürdigkeiten oft angeleuchtet. Dieses Foto habe ich mit einer Canon G5X Mark II und ISO 4000 aus der Hand aufgenommen. Mit einer paar einfachen Techniken zum Entrauschen des Bildes, ist es aber brauchbar.

Es gibt aber noch einen Trick, um ohne viel Aufwand bei wenig Licht brauchbare Bilder zu schießen. Nutze den Nachtmodus deines Smartphones!

Tatsächlich ist das die einfachste und von mir in der Zwischenzeit am häufigsten genutzte Möglichkeit, bei zu wenig Licht, einfach darauf zu „scheißen“ 🙂
Das folgende Foto habe ich mit dem Nachtsichtmodus meines Google Pixel 4a aus der Hand 5 Minuten nach dem Bild der Kirche aufgenommen. Kaum zu glauben, dass es da noch zappenduster war, aber das war es!

VEB Dienstleistungen Nachtsichtmodus

VEB Dienstleistungen in Fürstenberg (Havel) mit dem Nachtsichtmodus des Google Pixel 4a

Auch die Zugbrücke von der Schleuse in Altfriesack habe ich mit dem Pixel 4a bei Nacht aufgenommen. Passt!

Schleuse Altrfiesack Zugbrücke bei Nacht

Die Zugbrücke bei Nacht.

Gutes Licht, schlechtes Licht? Egal!

Übrigens ist das aktuelle Licht in vielen Situationen oft zweitrangig. Klar gibt es in Innenräume gute und schlechte Beleuchtung. Unterwegs reicht es in der Regel aber, dass du bei Innenräumen zwischen genug oder zu wenig Licht unterscheidest. Ist es zu wenig, siehe oben, ist es genug, Feuer frei!

Lost Place

Lost Places sind immer spannend. Manchmal ist so viel Licht da, dass du Fotografieren kannst, was du willst.

Das folgende Foto zeigt einen Teil der Orangerie des Schlossparks Sanssouci in Potsdam. Das ist im Freien! Ich habe den Bildausschnitt aber so gewählt, dass das gar nicht unbedingt auffällt. Solange es genug Licht ist, ist auch da alles andere egal (außer es wäre vielleicht ein blöder Schatten im Bild). Und ob oben jetzt ein bisschen blauer Himmel oder grauer Himmel durchguckt … egal! Wölkchen, keine Wölkchen? Auch egal! Kurz: Das ist ein wunderbares Beispiel für „Scheiß aufs Licht!“.

Orangerie Sanssoice

Licht? Genug! Perfekt!

Oder auch hier, in der Wolfsschlucht bei Calw im nördlichen Schwarzwald. Eine Langzeitbelichtung aus der Hand. Ob da jetzt die Sonne scheint, ob es bewölkt ist, ob die Sonne gerade untergeht oder aufgeht oder weiß der Geier was macht. Auch bei diesem Bild muss es nur genug Licht sein, dass ich es noch aus der Hand gehalten bekomme, sonst ist das Licht egal.

Langzeitbelichtung Wolfsschlucht

Eine Langzeitbelichtung aus der Wolfsschlucht bei Calw.

Oft passt das Licht

An den Beispielen oben siehst du, dass sich auch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen und mit wenig Equipment trotzdem gute Fotos machen lassen. Lasse dich wegen schlechten Lichtverhältnissen oder schlechtem Wetter nicht entmutigen, halbwegs gute Fotos kannst du trotzdem machen.

Das allerbeste beim Fotografieren unterwegs ist aber, dass du oft auch die Momente mit optimalen Lichtverhältnissen mitbekommst. Gerade bei langen Wanderungen, die sich über den ganzen Tag erstrecken, bekommst du oft zwangsweise den Sonnenauf- bzw. untergang mit. Oft passt das Licht aber auch zwischendurch. Das sind dann absolut magische Momente.

Und diese Momente können auch weit ab des Sonnenauf- bzw. Untergangs sein, wie dieses Boot auf der Havel.

Havel Nebel

Der Nebel, das Boot, die Spiegelungen des Wassers. Passt alles. Schön!

Oder hier, was will man mehr?

Sonne nebel wald

Sonne, bisschen Nebel und Wald. Auch schön!

Aber klar, wenn Sonne und Wolken zauberhafte Himmel produzieren, beschwere ich mich auch nicht, nur braucht man dann ein passendes Motiv. Die Allee ist zwar schön und gut, mehr aber auch nicht.

Himmel

Irrer Himmel!

Manchmal passt aber einfach alles. Das Motiv ist toll, das Licht stimmt …

Steg Boote Sonnenuntergang

Hier passt alles: Motiv, Licht, Wetter. Ein absolut magischer Moment.

Scheiß aufs Licht – zusammengefasst

Hast du nicht die Zeit (oder Lust) auf besseres Licht zu warten, musst du mit dem Licht leben, dass aktuell vorherrscht. Das klappt!

  • Arrangiere dich damit!
  • Finde Blickwinkel, um das schlechte Licht zu kaschieren
  • Zeige ruhig auch schlechtes Wetter (bzw. Licht)
  • oder konzentiere dich auf Details
  • oder Motivie, bei denen das Licht egal ist.
  • Nutze den Nachtmodus des Smartphones
  • und freue dich, wenn zufällig alles passt!

Viel Spaß auf deinen Touren! Los geht’s!