Warum Reisen ins Ausland wichtig sind

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Ich habe gerade einen tollen Beitrag im Spiegel gelesen (Leider nur im Heft oder mit +-Abo, unten gehe ich aber nochmals auf den Artikel ein), welcher richtig Lust auf Deutschland macht.
Dass ich Deutschland als Reiseland toll finde, ist kein Geheimnis und all die im Artikel erwähnten Orte sind bestimmt toll (ich war noch nicht überall), aber nur weil es wegen Corona nun mal schwieriger ist ins Ausland zu fahren (zumindest außerhalb Europas) und nur weil es den ökologischen Fußabdruck verringert, sollten wir den Nutzen von Auslandsaufenthalten nicht vergessen.

Hier in Deutschland treffen wir zum Großteil auf Deutsche, das ist logisch. Wir sind zwar auch alle irgendwie verschieden, aber trotzdem Deutsche. Es gibt einen kleinen gemeinsamen Nenner, den haben wir verinnerlicht, das sind wir.

Klar gibt es Ausnahmen, aber im Schnitt kommt das schon hin. Ja, im Schnitt wird dieser kleinste gemeinsamer Nenner wahrscheinlich sogar viel größer sein, als viele denken.

Mir zum Beispiel geht im Ausland oft die Unordnung auf die Nerven. Verschieden hohe Bordsteine z.B. oder auch viel Müll, total ungepflegte heruntergekommene Häuser usw.
Ich will das selbst nicht wahrhaben, aber irgendwie gefällt mir die deutsche Gründlichkeit. (Obwohl ich den (meinen) Garten, in dem ich gerade sitze überhaupt nicht gründlich finde.)

Treffen wir aber nur auf Menschen, die uns ähnlich sind, verengt sich unser Blick.
Welche Auswirkungen sowas hat, konnte man schön während der Flüchtlingskrise 2015 sehen. Die größte Ablehnung gab es in Regionen mit geringem Ausländeranteil. Wohnen dort dann noch Menschen, die nicht viel von der Welt gesehen haben, wundert mich das nicht.

Was der Bauer nicht kennt, frisst er eben nicht! In diesem Fall könnte man auch sagen: “Will er nicht!”

Auslandsreisen sind also wichtig, um andere Kulturen und andere Sitten kennenzulernen und um zu sehen dass es auch in anderen Ländern genauso viele (fast noch mehr!) nette und tolle Menschen gibt wie hier in Deutschland. Klar gibt es hier wie da immer wieder Menschen, die nicht auf derselben Wellenlänge sind. Aber das ist normal und gut so.

Metzgerei Tunesien

Diese Metzgerei in Tunesien ist noch harmlos und trotzdem wäre es bei uns kaum vorstellbar.

Auslandsreisen sind aber auch wichtig, um zu verstehen, warum manche Dinge in manchen Ländern so laufen wie sie laufen. Als Beispiel fällt mir da die Diskussion über die Höhe des Trinkgelds für unseren Fahrer durch Tunesien ein. Da geht es um für uns lächerliche Beträge aber man soll nicht zu viel geben, damit sie nicht gierig werden. Das sind doch keine Tiere! Und wenn ich mir die Preise dort auf dem Markt oder an der Tankstelle anschaue, denke ich nur “Junge, Junge, was für ein ultimativ bescheidenes Leben müssen diese Menschen führen!”
Und den Menschen in Tunesien geht es noch gut!
Ein anderes Beispiel sind die Englischkenntnisse in Brasilien. Die Brasilianer sind herzallerliebste Menschen und versuchen zu helfen, wo es nur geht. Aber sie können kein Englisch (und ich kein Portugiesisch). Klar kann man denen etwas vom Pferd erzählen und sie glauben es, mangels Sprachkenntnissen ist es für die Menschen sehr schwer sich über andere Kanäle zu informieren.

War man dort, versteht man solche Dinge und hat Verständnis dafür. Gleichzeitig kann man aber auch aus Deutschland heraus mit einem anderen Blick aufs Ausland schauen und dabei vieles lernen.

Moped Brasilien

So sieht eine Taxifahrt in Brasilien aus, einfach hinten aufs Moped und los geht’s.Theoretisch, die Verständigung dort ist schwierig.

Deutschland ist schön … aber!

Lange Rede kurzer Sinn. Ja, Urlaub in Deutschland ist schön, aber durch den Verzicht auf Auslandsreisen und vor allem auf Fernreisen geht meiner Meinung sehr viel verloren, was sich negativ auf unsere Gesellschaft auswirken kann.

Darum geht’s im Spiegel

Der Artikel lässt verschiedene Autoren mit ihren Erlebnissen oder auch mit Erlebnissen anderer zu Wort kommen und zieht Analogien zwischen Deutschen Zielen und bekannten Reisezielen. Z.B. können man durch das weite, leere Land Mecklenburg-Vorpommern fahren, wie auf der Route 66. Wer nicht nach Manhattan kann, kann sich aber Frankfurt am Main – Mainhattan – angucken.
Den besten Vergleich finde ich die verfallene Lungenheilstätte in Beelitz, als das Angkor Wat Brandenburgs zu bezeichnen.

Es geht um die Zugspitze, die Fachwerkkulisse von Quedlinburg, einen typischen Kleingarten und um das Tropical Islands.
Letzteres klingt weit hergeholt, aber bei meinem Besuch mit Übernachtung ist tatsächlich ein bisschen Urlaubsstimmung wie im Süden aufgekommen. Passt also sehr gut zu diesem Artikel und das Tropical Islands sollte man definitiv mal gesehen habe, zumal es eine gute Basis ist für Ausflüge in den Spreewald oder auch zum Baumwipfelpfad in Beelitz.

Übrigens habe ich ähnlich Vergleiche auch bei meiner Liebeserklärung an Europa gezogen.