ISO-Automatik: Pro und Contra und wie du sie richtig einsetzt [Fototipp 60]

Kaum zu glauben, aber in der Analogfotografie entscheidest du beim Einlegen des Films mit welcher ISO-Empfindlichkeit du fotografieren wirst – und zwar bis der Film voll ist! Fotografierst du digital, kannst du bei jedem Bild aufs Neue entscheiden oder es der ISO-Automatik überlassen.

In diesem Artikel erfährst du, …

Die geschätzte Lesezeit liegt bei ca. sechs Minuten. Zum Kommentieren solltest du drei Minuten einplanen und zum Teilen mit deinen Freunden eine weitere Minute. 😉

Was ist die ISO-Empfindlichkeit

Nicht ganz korrekt, aber vereinfacht ausgedrückt:

Mit der ISO-Empfindlichkeit bestimmst du, wie sensibel dein Sensor auf Licht reagiert.

D.h., bei sonst identischen Einstellungen wird dein Bild heller, je höher du die ISO-Empfindlichkeit deiner Kamera einstellst.

An sich ist das eine super Sache. Das Blöde daran ist, dass sichtbares Bildrauschen entsteht, je höher du die ISO-Empfindlichkeit einstellst.

Ausführlich gehe ich auf das Thema in meinem Fototipp 58 ein: »Alles was du über Bildrauschen & die ISO-Empfindlichkeit wissen musst«.

Wie ich fotografier(t)e

Bevor ich dir die Vor- und Nachteile des Auto-ISO-Features erkläre, erzähle ich dir, wie ich mit der klassischen Einstellung fotografiere.

Schritt 1:
Ich fotografiere die meiste Zeit mit Blendenpriorität (A bzw. Av). D.h., ich gebe die für das Motiv notwendige Blende vor.

Schritt 2:
Die ISO-Empfindlichkeit stelle ich zunächst auf den niedrigsten Wert.

Schritt 3:
Die Kamera misst jetzt die Belichtung und errechnet die notwendige Belichtungszeit.

Schritt 4:
Erscheint mir die Belichtungszeit zu lang, erhöhe ich die ISO-Empfindlichkeit behutsam.
Die Kamera errechnet wieder eine Belichtungszeit und ich überlege mir wieder, ob ich jetzt damit einverstanden bin.
Erscheint mir die Verschlusszeit immer noch zu lang, erhöhe ich den ISO-Wert so lange, bis ich entweder damit einverstanden bin oder die Schmerzgrenze für die ISO-Empfindlichkeit erreicht ist.

Ist die Schmerzgrenze erreicht, muss ich mir überlegen, ob ich die Blende weiter öffnen kann, ob ich mehr Licht in die Szene kriege oder ob ich mit der längeren Belichtungszeit irgendwie leben kann.

Geht all das nicht, muss ich ausnahmsweise die ISO-Empfindlichkeit über die Schmerzgrenze hinaus erhöhen.

Dieses Vorgehen empfehle ich dir, wenn du Zeit hast!

Warum du die ISO-Automatik nutzen sollst + die Vor- und Nachteile davon

Hast du für ein Motiv nur eine Chance (bspw. bei einer Hochzeit) oder dir fehlt schlicht und einfach die Zeit, um dich an die passende Einstellung heranzuarbeiten (bspw. wenn du mit der Familie unterwegs bist), kannst du dir von der ISO-Automatik unter die Arme greifen lassen.

Nachteile der ISO-Automatik

Fotografierst du mit Auto-ISO, verlierst du ein Stück weit Kontrolle. Je höher die Kamera die ISO-Empfindlichkeit wählt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bildrauschen sichtbar wird. Außerdem reduziert sich bei zunehmender ISO-Empfindlichkeit der Dynamikumfang deines Bildes.

Moderne Kameras liefern allerdings auch bei relativ hohen ISO-Werten brauchbare Ergebnisse. Ideal ist es, wenn du den Bereich, in dem sich die ISO-Automatik austoben kann, begrenzen kannst.

Bei älteren Kameras empfehle ich dir die ISO-Automatik nicht zu nutzen.

Ich nutze sie bei meiner Sony Alpha 65 bspw. nicht. Denn,

  • dort kann ich den Bereich nicht begrenzen,
  • Bildrauschen ist schon ab ISO 800 sichtbar und
  • die Wahl der Kamera passt mir oft nicht.

Vorteile der ISO-Automatik

Sobald du nicht im manuellen Modus fotografierst, überlässt du der Kameraautomatik eh schon einen Teil der Arbeit. Fotografierst du mit Blendenpriorität, errechnet die Kamera die Verschlusszeit, fotografierst du mit Zeitpriorität, errechnet sie die Blende.
Wieso also nicht auch die ISO-Empfindlichkeit?

Wie gesagt, moderne Kameras liefern auch bei höheren ISO-Werten brauchbare Ergebnisse. Wenn du dann den Bereich so begrenzt, dass du keine Bauchschmerzen bekommst, ist alles im grünen Bereich.

Beim Fotografieren sparst du dadurch Zeit und die Wahrscheinlichkeit für ein scharfes Bild bei Schnappschüssen steigt. (Obwohl ich dir dafür sogar den kompletten Automatikmodus empfehle.)

Ich sage immer:
Besser ein verrauschtes als ein verwackeltes Bild.

Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit in Abhängigkeit (Auto-ISO min VS)

Beim »Kontrollverlust« bei Auto-ISO und Blendenpriorität stört mich, dass die Kamera oft anders entscheidet als ich.

Als Beispiel hier ein simpler Versuchsaufbau mit meiner Sony RX100 III und Auto-ISO begrenzt zwischen 125 und 1600.

Als Fotograf wäre die Entscheidung klar: ISO runter, Belichtungszeit rauf!
Aber die Kamera entscheidet sich für eine Belichtungszeit von 1/30 Sek. und erhöht lieber die ISO-Empfindlichkeit.

Die Kamera bleibt so lange bei 1/30 Sek. bis entweder so viel Licht da ist, dass bei ISO 125 (die untere Grenze) kürzer belichtet werden kann oder so wenig Licht vorhanden ist, dass bei ISO 1600 (obere Grenze) länger belichtet werden muss, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten.

Im Test habe ich dafür einfach die Lampe bewegt.

Warum sich die Kamera auf 1/30 Sek. einschießt, weiß ich nicht. Meine Sony Alpha 65 hängt beim selben Test lustigerweise bei 1/60 Sek. fest. 🙂

Und genau hier liegt das Problem: Egal ob es jetzt 1/30 Sek. oder ein 1/60 Sek. ist, beides ist in meinem Beispiel zu kurz. Die Kamera steht relativ ruhig, also wäre es besser, länger zu belichten, um die ISO-Empfindlichkeit niedrig halten.

Die Kamera hat sich falsch entschieden!

Auf der anderen Seite sind 1/30 oder auch 1/ 60 Sek. zu lang, wenn ich abends auf einer Party fotografiere. Hier sollte die Kamera schneller die ISO-Empfindlichkeit erhöhen und kürzer belichten, um keine Bewegungsunschärfe zu erhalten.

Auto-ISO ist manchmal halt doch Käse!

Manche Kameras bieten eine Lösung für das Problem. Bei Sony hat man diesem Feature den genialen Namen »Auto-ISO min. VS« gegeben. Jaahhaaa, da weiß doch jeder sofort, um was es geht. 🙂

Spaß beiseite, auch wenn die Funktion einen komischen Namen hat, sie ist genial.
Zum einen kannst du angeben, ob du lieber höhere ISO-Werte oder lieber längere Verschlusszeiten haben willst, zum anderen kannst du sogar Belichtungszeiten als Grenzwerte angeben.
Bspw. kannst du der Kamera sagen, dass du mindestens 1/100 lange belichten willst. Die Kamera wird in diesem Fall bei allen Belichtungszeiten, die 1/100 Sek. und kürzer sind, die untere Grenze des Auto-ISO wählen. Reicht das Licht bei 1/100 Sek. nicht für die untere Grenze, wird die ISO-Empfindlichkeit erhöht, damit die Belichtungszeit gehalten wird.
Wenn allerdings die obere Grenze des Auto-ISO nicht mehr ausreicht, überstimmt die Kamera die Einstellungen in »Auto-ISO min VS.« und verlängert die Belichtungszeit.

Das klingt jetzt vielleicht kompliziert, aber das Feature ist wirklich genial.

Bei Sony findest du diese Einstellung allerdings nur in den Topmodellen. Bei der RX100 M4, RX10 M2 und M3, a6300 und den a7 der 2. Generation.

Bei Nikon gibt es diese Funktion auch, ich weiß allerdings nicht, wie sie heißt. Bei Canon heißt es, glaub ich »ISO-Änderungsrate« und du kannst zwischen »schnell«, »standard« und »langsam« wählen.

Zusammengefasst

Moderne Kameras liefern bei moderat höhren ISO-Werten super Qualität. Um Zeit zu sparen, kannst du die Wahl des ISO-Werts der Kamera überlassen.
Idealerweise begrenzt du den Bereich, in dem die Kamera sich austoben kann.

Um die Kontrolle über das Verhältnis von ISO-Empfindlichkeit und Verschlusszeit im Modus Blendenpriorität (Zeitautomatik) nicht ganz zu verlieren, bieten manche Kameras spezielle Einstellungen an. Bei Sony hießt diese Einstellung »Auto-ISO min. VS.«

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9 Kommentare zu “ISO-Automatik: Pro und Contra und wie du sie richtig einsetzt [Fototipp 60]

  1. Bee

    Hi Marc,

    Ich fotografiere auch häufig im AV Modus, mit einer ISO Automatik habe ich es noch nie versucht. Bei ISO 800 liegt meine Grenze, darüber hinaus habe ich Bauchschmerzen. Was natürlich stimmt, für die optimale Belichtungszeit in Anlehnung an die ISO geht etwas Zeit drauf. Beim nächsten Mal versuche die ISO-Automatik mal, ich schreib dir hier in die Kommentare, wie es so gelaufen ist.

    LG, Bee

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Bee,

      wenn du die Automatik auf 800 begrenzen kannst ist doch alles in Ordnung. Ich hab das auch lange Zeit nicht gemacht (und mache es bei der a65 auch nicht, weils einfach nicht geht :)) Aber mit meiner RX100 arbeite ich total viel mit der ISO-Automatik und finde das total gut.
      Bin schon gespannt, wie deine Erfahrungen ausfallen.

      Viele Grüße,
      Marc

  2. Holger

    Hallo Marc,

    die Kamera versucht verwacklungsfreie Bilder zu garantieren und orientiert sich mit der Belichtungszeit an
    der Faustformel Belichtungszeit darf höchstens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen. Bei 1/30s hattest
    du vermutlich eine Brennweite um die 28mm, bei 1/60s vermutlich um die 50mm. Stichwort Freihandgrenze.

    Viele Grüße
    Holger

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Holger,

      du hast recht, die Kamera passt die Belichtungszeit tatsächlich mit der Brennweite an – macht ja auch Sinn.
      Ich habe es gerade allerdings nochmal probiert und bei gleichen Einstellungen (27mm KB) bekomme ich bei der einen Kamera tatsächlich 1/60 und bei der anderen 1/30 … warum auch immer.

      Viele Grüße
      Marc

  3. Rainer Duhm

    Hallo Marc,

    im Abschnitt „Wie ich fotografier(t)e“ schreibst Du unter Schritt 4: „Erscheint mir die Belichtungszeit zu kurz, erhöhe ich die ISO-Empfindlichkeit behutsam.
    Die Kamera errechnet wieder eine Belichtungszeit und ich überlege mir wieder, ob ich jetzt damit einverstanden bin.
    Erscheint mir die Verschlusszeit immer noch zu kurz, […]“.

    Muss es nicht eine zu lange Belichtungszeit sein, die Du durch Erhöhen der ISO-Empfindlichkeit verkürzt? Ansonsten verstehe ich den Abschnitt nicht.

    Viele Grüße
    Rainer

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Rainer,

      du hast vollkommen recht. Da habe ich Blödsinn geschrieben. Natürlich muss es „zu lang“ heißen, sonst macht es ja gar keinen Sinn!

      Ich habe es korrigiert, vielen Dank!
      Marc

  4. Thiemo

    Ich hab seit kurzem die G7x Mark II. (Dank Prime-Day ;-))
    Von meiner 80D bin ich mittlerweile ziemlich verwöhnt, was Auto-ISO und Mindestverschlusszeit angeht.
    Allein durch diese Funktion hab ich wesentlich weniger Ausschuss als mit meiner 750D.

    Bei der G7x nervt es irgendwie, dass die ständig auf 1/60 hängt. Wenn man da die Kids fotografiert hat man ständig Bewegungsunschärfe drin. Von der DSLR bin ich es gewöhnt im AV-Modus zu arbeiten.

    Die Fotos die scharf geworden sind, haben mir recht gut gefallen. Allerdings hab ich noch recht viel Ausschuss. An den AF muss man sich halt auch erst gewöhnen.

    Ich werd wohl noch üben müssen. Ist halt doch was anderes als mit der 80D.

    Alternativ könnt ich die g7x zurück schicken und mir die RX100 III holen. Mehr will ich nicht ausgeben für eine Kompakte.
    Wobei mir die Bedienung von der g7x schon gefällt. Ist echt schwierig.

    Hab übrigens das Buch von dir. 🙂

    1. Andreas

      Hallo Thiema
      Ist bei Deiner G7X die Funktion „Safety Shift“ eingeschaltet? Bei meiner G1X III blieb ich auch bei 1/60 hängen, bis ich diese Funktion ausgeschaltet habe.
      Gruss Andreas

  5. Frank

    Hallo Marc,
    die Sache mit der ISO-Automatik ist tatsächlich komplizierter als man denkt.
    Erstmal kommt es darauf an welchen maximalen ISO-Wert man als seine persönliche Schmerzgrenze festlegt. Bei mir und meiner Sony A77II ist das ISO 3200. Normalerweise. Denn es kommt auch aufs Motiv an. Brauche ich am Tag kurze Verschlusszeiten bei einem recht hellen Motiv, fällt ein hoher ISO kaum auf. Anders ist das wenn das Licht schlechter wird oder das Motiv viele dunkle Anteile hat, oder auch bei Makros, wo es auf feine Strukturen ankommt, da kann auch schon ISO 800 störend wirken…
    Es ist nicht so einfach.
    Dann wäre da noch das Ding mit der Brennweite:
    Meine A77II mit dem 70-300er wählt an trüben Tagen bei 300mm Brennweite ,e nach Blende schon mal ISO 3200, um mit 1/500sek absolute Verwacklungsfreiheit zu garantieren. Ich weiß aber, dass das gar nicht nötig ist denn mit einer ruhigen Hand und Bildstabi reicht mir 1/200sek.
    Wie löse ich das Problem?
    Nun, in den meisten Fällen lasse ich die ISO-Automatik machen, mit meiner 3200er Obergrenze passt das schon. Meist geht der ISO dann ach gar nicht so hoch.
    Für Fotos, wo es mir auf maximale Bildperformance ankommt mache ich es aber wie Du und reguliere manuell nach. Mit einem extra ISO-Button an der Kamera ist das natürlich eine leichte Sache.
    Meine Meinung ist also: ISO-Auto ja, aber nicht immer und überall.

    Grüße
    Frank

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