Sony Alpha a6300 – meine Meinung [+ Vergleich mit der a6000]

| Lesezeit ca. neun Minuten
Mit der ICLE a6300 stellt Sony nun endlich den langersehnten Nachfolger der erfolgreichen a6000 vor (oder eine Ergänzung). Aber lohnt sich ein Upgrade und ist die Alpha 6300 jetzt das neue APS-C Flaggschiff im Hause Sony?

Hach, wie habe ich mich gefreut, als die Katze aus dem Sack war. Endlich eine neue APS-C e-Mount-Kamera. Endlich ein neues Top-Model, endlich ein Grund, mir eine neue Kamera zu kaufen.
Und so hüpfte mein Herz beim Lesen der Pressemeldung immer höher und höher. Neuer und besserer Sensor, schnellerer Autofokus, mehr Fokuspunkte, 4k, 120fps in Full HD und all das in einem abgedichteten Gehäuse! Das klingt fett!
Das Beste: Mit dem Adapter LA-EA3 kannst du daran alle A-Mount Objektive betreiben und trotzdem den Autofokus der a6300 nutzen. Genau das, was ich brauche!

Warte! Habe ich was vergessen? Ah, verdammt, die Kamera hat keinen internen Bildstabilisator! Blöd, saublöd!

Update: Sony hat in der Zwischenzeit kräftig nachgelegt und mit der a6500 eine Kamera im Programm, die fast alle von mir hier angemeckerten Mängel beseitigt!

Aber der Reihe nach. In diesem Artikel erfährst du, …

Ich bin übrigens Marc, begeisterter Papa, Blogger, YouTuber, Foto- und Reisefuzzi.
Mehr über mich findest du hier. Und hier findest du meine aktuelle Fotoausrüstung.

Du hast Fragen, Anregungen...?
Schreib mir: marc@reisezoom.com

Die wichtigsten Daten im Vergleich zur a6000

Sony a6300 vs. a6000 vs. a7
Abmessungen (BxHxT)120 x 66.9 x 48.8mm120 x 66.9 x 45.1mm126.9 x 94.4 x 48.2mm
Gewicht inkl. Akku und Speicherkarte404g344g474g
Auflösung24.2MP24.3MP24.3MP
Anzahl Fokuspunkte425 Phasenvergleich & 169 Kontrastmessung198 Phasenvergleich & 25 Kontrastmessung117 Phasenvergleich & 25 Kontrastmessung
Phasendetection bei A-Mount ObjektivenMit der Kamera und Adapter LA-EA3*.Nicht mit der Kamera; aber mit den Adaptern LA-EA2 & LA-EA4*Nicht mit der Kamera; aber mit den Adaptern LA-EA2 & LA-EA4
LCD schwenkbarca. 90° hoch und 45° nach untenca. 90° hoch und 45° nach untenca. 90° hoch und 45° nach unten
Auflösung Sucher2.359.296 Pixel1.440.000 Pixel2.359.296 Pixel
VideoXAVC S 4K 30p/100Mbps / XAVC S HD 120p/100MbpsAb Firmware 2.0 XAVC S Full HD 50 MbpsAVCHD 2.0 / MP4 HD 60p
Serienaufnahme11 Bilder / Sekunde 11 Bilder/s5 Bilder/s
min. Verschlusszeit1/4000 Sek1/4000 Sek1/8000 Sek
ISO-Empfindlichkeit100 – 51200100 – 2560050 – 25600
Internter Bildstabilisatorneinneinnein
abgedichtetes Gehäusejaneinja
Akkulaufzeitbis zu 400 Bilderbis zu 360 Bilderbis zu 340 Bilder
Preise (Body)**779,00*420,49*799,00*

** Stand der Preise: 07.09.2018

Die vollständigen technischen Daten findest du bei Sony.de:

Die wichtigsten Vorteile der Sony Alpha 6300

Der Sensor

Die a6300 hat einen nigelnagelneu Sensor bekommen. Dieser ist jetzt mit Kupfer statt mit Aluminium verdrahtet, was der gesamten Performance zugutekommt.

Der Sensor soll in Kombination mit einem weiterentwickelten BIONZ X Prozessor einen größeren Dynamikumfang und besser Low-Light-Leistung bieten.
Ob das stimmt, müssen unabhängige Tests noch klären.

Der ISO-Bereich geht bis zu 51.200 im Vergleich zu 25.600 bei der a6000.

Der Sucher + Liveview

Ich finde elektronische Sucher super. Der Sucher der a6300 hat gegenüber der a6000 eine deutlich höhere Auflösung spendiert bekommen. Das ist nicht schlecht, allerdings muss ich zugeben, dass ich zwischen den Suchern der RX100 III und IV kaum einen Unterschied gesehen habe. Wahrscheinlich wird es bei der a6300 im Vergleich zur a6000 genauso sein.

Trotzdem rockt der Sucher der a6300 im Serienbild alles andere in Grund und Boden. Schießt du im Serienbildmodus (11fps), bekommst du das Bild nahezu live angezeigt (8fps). Damit wird es deutlich leichter, Objekte zu verfolgen.

Der Autofokus

Sony bewirbt die a6300 mit dem schnellsten Autofokus der Welt. Aber hier musst du die Kirche im Dorf lassen. Die a6000 lieferte ihren Bestwert mit 0,06 Sekunden ab, die a6300 mit 0,05 Sekunden. Schneller ist immer gut, aber soooo viel besser ist die reine Geschwindigkeit nicht.

Besser ist allerdings die Anzahl der AF-Punkte. Die a6300 kommt mit 425 Phasenvergleichs-Punkten und 169 Kontrastmesspunkten, die nahezu den gesamten Bildausschnitt abdecken.

Außerdem soll der Autofokus beim Filmen doppelt so schnell arbeiten.

A-Mount-Objektive an der a6300

An der a6000 konntest du zwar a-Mount Objektive nutzen, allerdings ohne die Phasendetektion der Kamera. Bei der a6300 geht das mit dem Adapter LA-EA3. Das ist super für alle, die noch A-Mount-Objektive haben.

Wahrscheinlich wird das auch mit Adaptern für andere Objektive funktionieren.

Videomodi

4k, 120 fps Full HD, s-Log2, S-Gamut und und und …
Ich kenne mich mit dem Thema Video viel zu wenig aus, um all das richtig bewerten zu können, aber die Zahlen und die Features sind denen der a6000 überlegen.

Als Videograf darfst du dich zudem über einen Mikrofon-Eingang freuen.

Gewicht & Größe

Auch wenn die Kamera deutlich schwerer wurde, im Verhältnis zur Leistung sind die Abmessungen und das Gewicht super.

Abgedichtetes Gehäuse

Die Gehäuse der a6300 und die a6000 sehen auf den ersten Blick nahezu identisch aus, sie sind es aber nicht!
Sony spendierte der a6300 ein gegen Staub und Spritzwasser abgedichtetes Gehäuse aus Magnesium. Das kommt der Lebensdauer der Kamera zugute und lässt auf eine stabilere Verarbeitung schließen.

AF/MF-AEL – Switch

Einen weiteren, unscheinbarer Unterschied findest du auf der Rückseite des Gehäuses. Statt einem einfachen AEL-Knopf (a6000), gibt es jetzt einen AF/MF – AEL – Switch. Damit kannst du weiterhin die Belichtung »locken« (AEL), kannst das Prinzip aber auch auf den Fokus anwenden und manuell eingreifen, wenn es notwendig ist.

Firmware mit neuen Funktionen

Leider bringt Sony mit seinen Firmware-Updates selten neue Funktionen auf alte Kameras.
Eine geniale Funktion ist z.B. ISO AUTO Min. VS. Du kannst damit bestimmen, ob der ISO-Wert eher schnell erhöht werden soll, oder ob die Kamera länger belichten soll.
Die a6300 sollte diese Funktion beherrschen.
(Mehr dazu habe ich in meinem Test der Sony RX100 IV / RX10 II geschrieben).

Die wichtigsten Nachteile der Sony a6300

Kein GPS

Dieser Punkt steht in all meinen Kamerabesprechungen und er wird so lange drinstehen, bis endlich wieder ein GPS-Modul verbaut wird.
In meinen Kopf geht einfach nicht hinein, warum man solch kleine, mobile Kameras baut und ohne GPS ausliefert.
Meine alte Sony Alpha 65 hat GPS und das ist genial und einer der Gründe, wieso ich die Kamera gar nicht hergeben will.

Display nur begrenzt schwenkbar

Das Display lässt sich ca. 90° hoch und 45° runter schwenken. Du hast also keinen Selfiemodus und kannst es auch nicht seitwärts drehen.

Das ist zwar kein Beinbruch, aber auch nicht ideal. Gerade im Familienurlaub, schießen wir immer wieder Familien-Selfies oder auch wenn du Videos für YouTube und Co. drehen willst.
Hier ist definitiv Luft nach oben.

Kein Touchscreen

Ich bin der Meinung, dass eine Kamera mit vielen Knöpfen ausgestattet sein muss, um sie intuitiv und »blind« zu bedienen.
Es gibt aber Situationen, in denen ein Touchscreen super ist. »Touch to Focus« ist eine davon. Dabei tippst du die Stelle auf dem Display an, auf die fokussiert werden soll. Eigentlich möchte gar keine Kamera mehr ohne dieses Feature!

Aber auch das Sichten der Bilder geht mit einem Touchscreen schneller und intuitiver – wie auf dem Smartphone.

Kein interner Bildstabilisator

Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ein Nachfolger der a6000 mit internem Bildstabi kommt. Warum dieser jetzt fehlt … ich weiß es nicht. Vielleicht will Sony »Luft« nach oben lassen für eine a7000 oder so. (Update: war dann wohl doch keine a7000 sondern eine a6500 :))
Bei der a7-Serie war ein großer Schritt zur neuen Generation der interne Bildstabilisator. Gerade in Verbindung mit einem Adapter, um A-Mount und andere Objektive zu nutzen, ist das genial.

Schade, dass er bei der a6300 fehlt.

Kleine Auswahl nativer Objektive

Richtig gute und lichtstarke APS-C E-Mount Objektive sind bei Sony Mangelware. Die Japaner geben bei den E-Mount Objektiven zwar richtig Gas und stellten zeitgleich mit der a6300 die neue G Matser Objektive vor. Diese sind jedoch alle vollformattauglich und entsprechend teuer.

(Keine Sorge, du kannst Vollfomat-Objektive an einer a6300/a6000 nutzen.)

Preis

Kein Wunder, dass der Preis in der Pressemitteilung erst ganz unten stand. Aktuell steht das Gehäuse bei Amazon.de für 779,00€ im Regal. Happig!

Mein Fazit und Kaufempfehlung

Ich bin zwiegespalten. Die a6000 ist eine super Kamera und die a6300 setzt in fast jedem Punkt noch einen oben drauf.
Es stellt sich also gar nicht die Frage, ob die a6300 gut ist oder nicht: Sie ist grandios!

Ziehe ich zu allem aber den Preis hinzu und ein kleines bisschen meine persönliche Situation (APS-C A-Mount-User), dann verliert die Kamera Stück für Stück ihren Reiz.

Ich finde es super, dass ich mittels Adapter A-Mount Objektive mit dem Autofokus der a6300 betreiben kann. Das ist ein großer Fortschritt. Allerdings sind A-Mount Kameras in der Regel mit einem Bildstabilisator ausgestattet, weshalb die Objektive ohne diesen auskommen. Oft ist das auch bei Fremdherstellern so.

Sprich: Bei der a6300 müsste ich bei all meinen Objektiven auf den Stabi verzichten und auch bei neuen Objektiven ist nicht garantiert, dass diese immer mit Stabi erhältlich sind.
Für mich ist dieser Punkt fast ein K.-o.-Kriterium. Hinzu kommt, dass Filmen aus der Hand ohne Stabi auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Aber das Thema Video wird bei mir immer noch stiefmütterlich behandelt.

Der fehlende Stabi wäre nicht ganz so wild, wenn der angekündigte Preis etwas niedriger wäre. Was da verlangt wird, ist eine ordentliche Stange Geld, um genau zu sein, so viel, dass du dir dafür auch eine a7 kaufen kannst.

Richtig, du kannst dir die alte Vollformat a7 kaufen. Die kann zwar Vieles nicht, was die a6300 kann, dafür hat sie aber einen Vollformat-Sensor.

Ich wechselte bis jetzt nicht auf das Vollformat, weil mich die Folgekosten für Objektive abschreckten. Aber auch hier muss die a6300 Federn lassen. Wenn überhaupt, gibt es nur eine Hand voll wirklich guter APS-C Objektive für e-Mount. Fast alle richtig guten Objektive, die Sony für den e-Mount auf den Markt bringt, sind für das Vollformat.

D.h., willst du ein saugutes, natives (ohne Adapter) e-Mount-Objektiv, wirst du in vielen Fällen sowieso ein vollformattaugliches Objektiv kaufen.
Es gibt also fast keinen Preisvorteil für die a6300.

Für wen ist die a6300 die richtige Kamera?

Sony verkauft die Alpha 6000 weiter. Diese Kamera ist für fast alle Anwender mehr als ausreichend!

Du solltest zur a6300 greifen, …

  • wenn du A-Mount-Objektive mittels Adapter betreiben willst,
  • wenn dir der Dynamikumfang der a6000 nicht ausreicht,
  • wenn dir die Low-Light-Leistung der a6000 nicht ausreicht,
  • wenn du Videos drehen willst,
  • wenn dir der Autofokus der a6000 zu langsam ist,
  • wenn du unbedingt das Neueste haben musst.

Kannst du keine der Fragen mit einem lauten »JA« beantworten, solltest du in dich gehen und dir genau überlegen, ob du die a6300 wirklich brauchst.

Entschieden? Klicke hier, um zum Angebot bei Amazon.de zu kommen.

Haderst du mit dem Dynamik-Umfang und High-ISO, solltest du den Blick auch ins a7-Regal schwenken.

Mit der Alpha 6500 gibt es zwischenzeitlich ein APS-C-Model über der a6300, diese hat einen Touchscreen, einen internen Bildstabilisator und noch ein paar weitere Vorteile gegenüber der 6300.

Die a6300 und ich …

Ich sagte es ja schon: Ich bin zwiegespalten.
Wäre die Kamera etwas günstiger, würde ich zuschlagen. Aber bei dem Preis und ohne Bildstabi sehe ich mich eher mit einer Alpha 77 II herumlaufen. Diese habe ich teilweise schon für unter 800€ gesehen.

Aber so, wie ich mich kenne, bleibe ich bei meiner aktuellen Kombination Alpha 65 und RX100 III. Schließlich sagte ich in Fototipp 43 schon »Kaufe KEINE neue Kamera«.

Was meinst du? Ist die a6300 die richtige Kamera für dich? Was fehlt dir? Was wünschst du dir?

 

Anmerkung: Ich konnte die a6300 bis jetzt nur kurz testen. Sobald mir die Kamera für einen ausführlichen Test zur Verfügung steht, wird dieser Beitrag überarbeitet.

Update-History des Beitrags
09.02.2016 – die 1. Version des Beitrags erscheint
15.02.2016 – Abgedichtetes Gehäuse, AF/MF-AEL-Switch, Firmware-Funktionen erwähnt; Quellen ergänzt. Danke an die tollen Kommentare mit den Hinweisen!
27.01.2017 – Hinweise zur a6500 eingebaut.

Meine wichtigsten Quellen: