Die große Depression und die Zukunft des Reisens

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Die große Depression und die Zukunft des Reisens

Es sind Osterferien, die Wirtschaft fährt gegen die Wand und gleichzeitig fährt niemand mehr in Urlaub. Ganz im Gegenteil #stayhome ist angesagt, Abstand halten, Grenzen dicht und ja, sogar Ausgangssperren gibt es.

Was für ein freudloser Scheiß!

Natürlich können diese Zustände nicht ewig anhalten. Global gesehen sind die Kollateralschäden vielleicht jetzt schon größer als der Nutzen. So genau weiß das keiner. Aber das gilt ja irgendwie für alles in diesen Zeiten: Nix Genaues weiß man …

Klar ist aber: Ab jetzt ist alles anders und das wird lange (für immer?) so bleiben.
Es sind die ersten Ferien seit Ewigkeiten, in denen wir zu Hause sitzen. Eigentlich wollten wir in die Lüneburger Heide und in den Heide Park. Dafür haben wir für dieses Jahr sogar Jahreskarten. Was für ein Timing!
Während der Weihnachtsferien waren wir an der Ostsee, am Weißenhäuser Strand und im Februar besuchten wir während der Winterferien die neue Wasserwelt des Europa Parks “Rulantica”.
Davon gibt es sogar ein kleines Video:

Rulantica: Unser Tag in der Europa Park Wasserwelt

Klickst du auf den Playbutton, wird das Video von YouTube eingebettet. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

Wenn ich jetzt an die Ferien im Februar denke, läuft es mir kalt den Rücken runter. Wir hatten unseren Spaß, während in Wuhan das Virus schon durch die Straßen tanzte und die Menschen in ihren Wohnungen saßen. Freudloser Scheiß. Sagte ich ja schon. Bei uns jetzt auch. 

Aber darum soll es gar nicht gehen. Das ist jetzt halt so. Viel mehr möchte ich in die Zukunft blicken. Über Himmelfahrt wollten wir nach Usedom, im Sommer wieder in die Lüneburger Heide und nach Slagharen (ein Freizeitpark in den Niederlanden). Mehr hatte ich für den Sommer zum Glück noch nicht geplant. Dafür stehen die Herbstferien schon: 2 Wochen Mallorca.

Aber wird das so kommen? Ich weiß es nicht. Ich glaube es nicht.

Tatsächlich glaube ich, dass uns dieses freudlose Social Distancing und wahrscheinlich auch ein paar andere dieser beschissener Maßnahmen noch eine ganze Weile begleiten werden.
Natürlich bin ich kein Freund davon, was tatsächlich notwendig ist und was nicht, kann ich nicht beurteilen und will ich auch nicht. Ich will auch gar nicht in der Haut der Politiker stecken, die darüber nachdenken und entscheiden müssen. Ich hoffe nur, dass wir bei der ganzen Sache nicht verarscht werden und irgendwann in einem Überwachungsstaat ohne unsere geliebten Freiheitsrechte aufwachen.

Aber egal wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickelt … Reisen? Ins Flugzeug steigen? Um die halbe Welt fliegen?

Klar, wandern in der Lüneburger Heide geht. Das war schon social Distancing als es das Wort noch gar nicht gab. Aber kann man auch in einer Warteschlange vor einer Achterbahn im Heide Park stehen? Kann man in Hamburg ins Miniaturwunderland oder kann man sich mit 200 wildfremden Menschen in eine zigarrenförmige Blechdose mit Flügeln quetschen, um damit nach Mallorca zu fliegen?

Ich weiß es nicht.

Puig Tomir Mallorca

Das war vor ein paar Monaten bei einer Tour auf den Puig Tomir auf Mallorca. Mal sehen, wann ich das nächste Mal die grandiose Natur der Insel erkunden darf.

Selbst wenn es erlaubt wäre. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe, für mich ist das Virus wahrscheinlich so gefährlich wie Autofahren und trotzdem hätte ich Bauchschmerzen bei solchen Aktionen. Es geht ja auch um Solidarität, die Alten und die Risikogruppen wegsperren, um sie zu schützen ist kaum besser, als sie ins offene Covid-Messer laufen zu lassen, nur dass ich meinen Wanst in die Sonne halten kann oder meinen Hintern in eine Achterbahn quetschen darf!?

Aber so einfach ist das nicht.

All das nicht zu tun, egal ob aus Solidarität, wegen Verboten oder aus Geldmangel …
Verzicht entzieht der Wirtschaft Geld. Geld, das anderen Menschen dann fehlt. Das führt zu weniger Wohlstand und das wiederum kann zu einer weniger friedlichen Welt führen.

Es ist ein Teufelskreis und wir können nicht das richtige tun!

Zusammengefasst: Freudloser Scheiß trifft auf eine beschissene Situation und eine düstere Zukunft.

Mittelfristig müssen wir uns wohl oder übel darauf einstellen, dass es das mit dem freizügigen Reisen erst einmal war.
Erst recht so lange es keine Impfung oder kein wirksames Mittel gegen Sars-Cov-2 gibt. Bis dahin wird es immer Länder und Regionen geben, die uns gar nicht reinlassen.

Aber selbst, wenn die unmittelbare Gefahr gebannt ist -- die Kollateralschäden werden uns noch über Jahre begleiten. Ich muss nur auf meine eigenen Einnahmen gucken und weiß, diese Krise geht an die Substanz. Dabei geht es mir und meiner Familie noch gut, andere verdienen gar nichts mehr und selbst damit geht es einem in Deutschland noch gut! In Entwicklungs- und Schwellenländern wird die Krise für viele Menschen lebensgefährlich. Ja, dort könnte man sich über unseren freudlosen Scheiß tatsächlich noch freuen.

Beim Thema Reisen denke ich deshalb, dass es jetzt an der Zeit ist, sich wieder auf die eigene Umgebung zu konzentrieren. Vor über 3 Jahren habe ich eine Liebeserklärung an Europa verfasst. Tatsächlich könnte ich das aber auch enger fassen. Allein aus der Sicht des Reisens wäre auch eine Liebeserklärung an Deutschland drin. Wir haben Berge, große Weiten, Seen und Meer. Wir haben historische Altstädte, moderne Museen, Burgen, Höhlen, Schlösser …
Im Zusammenspiel mit den verschiedenen Jahreszeiten ergeben sich so sehr viele Möglichkeit an Reise- und Ausflugszielen. Und all das mit der besten Infrastruktur und ganz nebenbei ist vieles absolut kostenlos!

Burg Hohenzollern

Eines meiner liebsten Fotomotive: Die Burg Hohenzollern! Die Fototour lässt sich wunderbar mit einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb kombinieren.

Tatsächlich könnte ich das noch enger fassen: Hier am Berliner Stadtrand fallen mir spontan so viele Ausflugsziele ein, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Briesetal bei mir um die Ecke ist wunderschön und sogar mit der S-Bahn zu erreichen. Und ja, wer will kann auch um Berlin durch Hügel (Berge will ich es nicht nennen :-)) wandern. Z.B. bei einer Tour zum Aussichtsturm Wolterdorf. Richtige Berge gibt es tatsächlich erst im Harz.

Von den zahlreichen Seen muss ich wohl gar nicht erst anfangen zu erzählen und von den Vorzügen der Stadt auch nicht. Ach übrigens, Berlin ist nicht alles! Die Kleinstädte Brandenburgs haben fast noch mehr zu bieten!

Berlin anders

Hügel, Moor oder Großstadt … hier gibt es wirklich alles! (Links der Aussichtsturm Woltersdorf, fotografiert bei meinem Test des Huawei P30 Pro; Mitte das Briesetal Fotografiert bei meinem Test der Panasonic Lumix G9; Rechts der Berliner Fernsehturm, Fotografiert bei meinem erneuten Test der Canon G7X Mark III.)

Das Titelbild habe ich übrigens in der Schönower Heide aufgenommen, auch diese liegt direkt am Stadtrand von Berlin!

Aber ich will jetzt gar nicht weiter über die Schönheit dieser Region reden. Der eine oder andere denkt jetzt bestimmt “Ja du, du wohnst in Berlin!”
Stimmt. Zumindest grob, genaugenommen ist das hier nämlich schon Brandenburg. 🙂
Aber das was ich hier schreibe, gilt für jede Region Deutschlands. Man muss sich nur darauf einlassen.

Ich wandere z.B. alle zwei bis drei Tage eine große Runde bei uns durch den Wald, je nach Variation und Zeit zwischen 5 und 12 km. Dort gibt es einen großen See, kleine Tümpel, ein Moor, mit dem Berliner Mauerweg und einem alten Grenzturm eine historische Stätte und mit dem ehemaligen Todesstreifen sogar eine Art kleiner Wüste.
Vor ein paar Wochen habe ich bei dieser Tour kaum jemanden gesehen, jetzt wird es im Wald und speziell am Hubertussee von Tag zu Tag voller.

Erst gestern hat mich bei meiner Tour ein älterer Herr angesprochen, wie schön es hier doch sei. Er wohne in Frohnau (quasi um die Ecke), wäre vorher aber noch nie hier gewesen! Es sprudelte richtig aus ihm heraus, ob ich den Schwan beim Starten gesehen hätte (hatte ich) und ob ich diese und jene Wege kennen würde, dort und dort und dort wäre es auch schön und ich müsse doch unbedingt mal da und da lang laufen. (Heute habe ich den Herrn übrigens wieder getroffen!)

Schwan

Das ist der Schwan vom Hubertussee vor ein paar Wochen. In der Zwischenzeit ist der ganz weiß.

Auch wenn ich wahrscheinlich alle beschriebenen Wege kenne, so entdecke auch ich bei nur kleinen Variationen meiner Tour immer wieder neue Dinge. Seit ein paar Tagen laufe ich meine Touren z.B. in entgegengesetzter Richtung, das ist tatsächlich wieder etwas ganz Neues. Und das ist bei mir vor der Haustür! Würde ich mit dem Fahrrad oder gar mit dem Auto fahren … aber ich wiederhole mich. Es gibt überall viel zu entdecken und viel zu erleben und tatsächlich ist jetzt die beste Zeit dazu!

Also Kopf hoch, wir schaffen das! Das Reisen wird nicht verschwinden, aber es wird sich vielleicht verändern.