3 Tipps, um unscharfe Fotos mit der Nachbearbeitung zu retten [Fototipp 62]

In meinem Fototipp »10 Tipps für gestochen scharfe Fotos« schreibe ich, dass du die Schärfe direkt bei der Aufnahme festlegst und mit der Nachbearbeitung nichts mehr machen kannst.
Das stimmt zwar, aber es gibt trotzdem ein paar Tricks, um unscharfe Fotos zu retten.

In diesem Fototipp gebe ich dir 3 Vorgehensweisen an die Hand, um unscharfe Bilder zu retten:

Die geschätzte Lesezeit liegt bei ca. drei Minuten. Zum Kommentieren solltest du drei Minuten einplanen und zum Teilen mit deinen Freunden eine weitere Minute. 😉

Tipp 1: Verkleinere das Bild

Diesen Tipp habe ich dir schon beim Fototipp 48: »Die Freihandgrenze – Fotografieren aus der Hand« gegeben.
Moderne Kameras haben in der Regel eine viel höhere Auflösung, also du sie für die Darstellung brauchst.

So haben die meisten Monitore z.B. Full HD, das sind lächerliche 2 Megapixel! Ich fotografiere aber mit 20 oder sogar 24 MP!
D.h., an meinem Monitor kann ich die Bilder gar nicht in voller Auflösung betrachten. Die sind immer verkleinert!

Und genau diese Verkleinerung hilft, wenn es mit der Schärfe mal nicht 100% passt.

Hier nochmal mein Beispiel aus dem Fototipp zur Freihandgrenze:
Ich fotografierte einen Apfel mit 1/20 Sek. aus der Hand und – als alter Tattergreis – verwackelte das Bild leicht.

Zuerst die 1:1 Ansicht: Unscharf!

Und jetzt das ganze Bild, so dass es in den Beitrag passt.

Na, was sagst du, siehst du irgendwo die Unschärfe?

Das hier Gesagte gilt übrigens auch für das Drucken von Bildern.
Eine Postkarte kannst du mit dem unscharfen Apfel locker drucken (obwohl ich dafür ein schöneres Motiv wählen würde), bei einem Druck in A4 wäre ich aber schon vorsichtiger.
Aber dafür gibt es ja noch ein paar Werkzeuge in Photoshop und Co.

Tipp 2: Der »Verwacklung reduzieren«-Filter von Photoshop

Photoshop ist so ein krasses Tool! Ich will gar nicht wissen, um wie viel Prozent der Absatz von Kosmetika einbricht, wenn die Werbung mit gephotoshopten Modells verboten wird. 🙂

Aber das soll uns heute egal sein, es geht schließlich um die Schärfe. (Von Bildern, nicht von Modells.)

Nehmen wir wieder den verwackelte Apfel in einer verschärften Version. Beim jetzigen Bild belichtete ich nur 1/6 Sek. und verwackelte entsprechend stärker. Nur Verkleinern reicht nicht mehr aus, um die Unschärfe zu vertuschen (es sei denn, wir gehen auf Briefmarkengröße).

Das Ausgangsbild sieht so aus:

Und so sieht es aus, wenn Photoshop seine Finger im Spiel hatte:

Zum Vergleich nochmal in der 1:1-Ansicht. Links siehst du das Bild bevor der „Verwacklung reduzieren“-Filter angewendet wurde, rechts danach.

Noch Fragen?

Ah, du willst wissen, wie das geht.
Ganz einfach:
Öffne das Bild in Photoshop und wähle dann »Filter → Scharfzeichnungsfilter → Verwacklung reduzieren …«.
Meine Einstellungen dort sahen so aus:

Das war schon alles.

Tipp 3: Nachschärfen

Nachschärfen von Bildern ist eine gefährliche Sache, weil man schnell zu viel schärft und über das Ziel hinaus schießt. Das passiert mir auch oft. In dem Fall hilft Fototipp 6 »Wie du über Nacht bessere Bilder machst«. Also nochmal drüber schlafen und das Bild mit etwas Abstand erneut angucken! 🙂

Jetzt aber zum Nachschärfen:
Als Beispiel nehmen wir dieses Heupferd (das heißt tatsächlich so, siehe Wikipedia).
Fotografiert habe ich das Tierchen mit meiner Sony RX100 III im Schlosspark Rheinsberg.
Leider sitzt der Schärfepunkt nicht ganz da, wo er soll. Das Bein vorne rechts ist scharf, der Kopf nicht so ganz.

In solch einem Fall lade ich das Bild in den Output Sharpener der kostenlosen NIK Collection, setze einen Kontrollpunkt auf das Gesicht und hebe die Schärfe und den lokalen Kontrast an.

Weiter geht es dann in PerfectEffects, wo ich mit dem DynamicContrast-Filter noch etwas nachhelfe.

Die komplette Vorgehensweise beschreibe ich in diesem Video-Tutorial.

Und hier das Ergebnis:

Fazit

Das nächste Mal, wenn du die Fotos deiner letzten Fototour betrachtest und die besten Fotos nicht ganz scharf sind, lässt du den Kopf nicht hängen.
Ganz im Gegenteil, fühle dich herausgefordert und nimm den Kampf mit der Unschärfe auf!

Du kennst jetzt 3 Vorgehensweisen, mit denen du viel retten kannst.

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5 Kommentare zu “3 Tipps, um unscharfe Fotos mit der Nachbearbeitung zu retten [Fototipp 62]

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Sabine,

      ja, die kleinen Displays sind gemein! Wenn ich ganz sicher sein will, dass es scharf ist, vergrößere ich es direkt auf dem Display und gucke ganz genau. Aber wie du siehst, alles musst gar nicht weggeworfen werden 😀

      Viele Grüße
      Marc

  1. Inese

    Guten Tag

    Ich suche dringend eine Hilfe. Ich musste Kindergartengruppenbild machen und leider ist alles ein bisschen schief gelaufen. Ich bin keine professionelle Fotografin (sondern nur Mami von einen die Kinder) und habe nicht bemerkt, dass nicht alle Gesichter scharf fokussiert sind. Jetzt erwarten die Eltern Bilder von mir aber leider sind sie nicht gut geworden. Ich habe den ganzen Tag im Internet gesucht, wie ich alles verbessern könnte bis ich auf diese Seite gelandet habe. Leider mein iMac ist zu alt und ich kann keine Programme mehr herunterladen. Dann dachte, dass ich Ihnen fragen sollte…vielleicht hätten Sie Zeit und Lust 3 Bilder für mich ein bisschen scharfer zu machen.

    Vielen Dank in voraus
    Liebe Grüsse
    Inese

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