Sony RX100 VI: Meine Meinung

| Lesezeit ca. neun Minuten

Bevor die Sony RX100 VI vorgestellt wurde, war ich mir sicher, dass ich - sobald die Kamera verfügbar ist - mein Konto plündern werde, zum nächstbesten Händler rennen werde, das Ding sofort kaufen werde und einen ultimativen Testbericht darüber schreiben werde. Jetzt, wo bekannt ist, wie die Kamera aussieht und was die RX100 VI kann, sehe ich die Sache etwas anders. Die Lust an einem Test ist mir zwar nicht vergangen, das Geld bleibt vorerst aber auf meinem Konto. Aber lies selbst.

    Ich bin übrigens Marc, begeisterter Papa, Blogger, YouTuber, Foto- und Reisefuzzi.
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    Die Sony RX100 VI wurde endlich vorgestellt und ich weiß wirklich nicht, was ich mit dieser Kamera anfangen soll.
    Ohne Frage, Sony hat wieder alle Register gezogen und eine grandiose Kamera gebastelt. Tatsächlich gehen die Neuerungen aber komplett an meinem Anforderungsprofil für eine Edelkompaktkamera vorbei.

    Fangen wir aber von vorne an.

    Meine Meinung als Video zur RX100 VI

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    Die wichtigsten Neuerungen der Sony RX100 VI

    Objektiv

    Schaltest du die neue Sony ein, siehst du sofort, dass sich am Objektiv etwas getan hat. Boten die Vorgänger (RX100 III – V) mit ihren 24 – 70 mm den klassischen Bereich eines Standardzooms, so stößt die RX100 VI in ganz neue Bereiche vor. Die angebotene Brennweite reicht jetzt von 24 – 200 mm (umgerechnet aufs Kleinbildformat), damit darfst du die VI jetzt zu den Reisezoom-Kameras zählen.
    Hut ab vor dieser Leistung. Der Spaß kostet jedoch ordentlich Lichtstärke.
    Beim Vorgänger konntest du die Blende im Weitwinkel bis auf f/1.8 und im Tele bis maximal 2.8 öffnen. Das geht mit der RX100 VI nicht mehr. Hier liegen im Weitwinkel maximal f/2.8 an und im Tele nur noch f/4.5.

    Übersicht der gesamten RX100-Serie mit den Brennweiten und Offenblenden
    RX100 IRX100 IIRX100 IIIRX100 IV RX100 VRX100 VI
    Brennweite28-100 mm28-100 mm 24 – 70 mm24 – 70 mm24 – 70 mm 24 – 200 mm
    Offenblende1.8 – 4.91.8 – 4.9 1.8 – 2.81.8 – 2.81.8 – 2.8 2.8 – 4.5

    Kein ND Filter

    Wer sich an den eingebauten ND-Filter der RX100 III bis V gewöhnt hat, muss sich bei der RX100 VI umstellen. Der ND-Filter fehlt.

    Das ist schade. Mit dem ND-Filter kannst du länger belichten und so bspw. Wasser “glattziehen”. Aber auch beim Filmen im Freien ist der Filter wichtig, weil du so auch mit offener Blende passende Belichtungszeiten erreichen konntest. All das ohne weiteres Zubehör!

    Solche Fotos bekommst du mit der RX100 VI ohne Tricksereien oder weiteres Zubehör nicht hin. [Sony RX100 III – ISO 80 – 8.8 mm – f/11 – 1/5 Sek.]

    Besserer Bildstabilisator

    Um das lichtschwache Objektiv etwas auszugleichen, spendiert Sony der Kamera einen neuen Bildstabilisator. Angeblich kannst du damit 4 Stops herausholen. Das ist gut, bringt dir aber natürlich nur dann etwas, wenn sich dein Motiv nicht bewegt.

    4K HDR

    Eigentlich dachte ich, dass die RX100 VI mehr Videokamera statt Fotokamera sein wird. Richtig große Neuerungen gibt es für Videos aber nicht. Sony hat der Kamera aber einen HDR-Modus spendiert, dafür gibt es neu HLG (Hybrid Log-Gamma) Picutre Profiles.

    Hast du einen passenden Monitor oder Fernseher, kannst du in diesem Video die Unterschiede sehen.

    Schnellerer Autofokus

    Der Autofokus der Sony RX100 V war nicht langsam und trotzdem wurde nochmals an der Performance geschraubt. Ob man den Unterschied in der Praxis tatsächlich merkt, weiß ich nicht. Schaden tut es auf jeden Fall nicht.
    Beim Augen-AF spricht Sony sogar von doppelte Geschwindigkeit. Wow!

    Display nach unten klappen

    Ein Klappdisplay ist immer gut und ich möchte das an meinen Kameras nicht mehr missen. Bei den Vorgängern konntest du das Display um 180° nach oben und um 45° nach unten klappen. Das reichte zwar aus, gegen den neuen Mechanismus habe ich aber auch nichts, die RX100M6 lässt Winkel bis zu 90° nach unten zu.

    Sucher muss nicht herausgezogen werden

    Der eingebaute Sucher der RX100 hat viele Fans. Um ihn zu nutzen, musst du ihn nur noch ausfahren und nicht mehr nach hinten ziehen.

    Touchscreen

    Alle neuen Kameras von Sony kommen mit Touchscreen, zum Fokussieren und Auslösen, so auch die RX100 VI. Endlich!
    Mehr lässt sich damit – nach meinen Informationen – aber nicht machen. Aber das reicht eigentlich auch.

    Größer

    Das neue Objektiv macht die Kamera 1.8 mm dicker und 2 Gramm schwerer. Wer einmal mit einer G9X von Canon unterwegs war oder auch mit einer RX100 M1, weiß, dass bei einer Immer-Dabei-Kamera jeder Millimeter und jedes Gramm zählt.
    Abmessungen und Gewicht sind für solch eine Kamera aber noch vollkommen im Rahmen. Eine G7X II von Canon ist auch nicht kleiner und sogar noch schwerer.

    Größe und Gewicht der RX100-Serie
    RX100 IRX100 IIRX100 IIIRX100 IV RX100 VRX100 VI
    Größe101.6 x 58.1 x 35.9 mm101.6 x 58.1 x 35.9 mm101.6 x 58.1 x 41.0 mm101.6 x 58.1 x 41.0 mm101.6 x 58.1 x 41.0 mm101.6 x 58.1 x 42.8 mm
    Gewicht240 g 281 g 290 g 298 g 299 g 301 g

    Falscher Name oder wozu all das?

    Hut ab Sony, solch ein Objektiv in solch eine kleine Kamera zu pressen. Wow!
    Aber wozu? Brennweiten über 100mm (eigentlich sogar über 70mm) brauche ich so selten, dass ich nicht ständig solch ein Objektiv mit mir herumschleppen muss.
    Außerdem lässt sich fehlende Brennweite bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Du kannst bspw. näher an das Motiv herangehen oder das Bild hinterher beschneiden, der klassische Digitalzoom also. Und beim Digitalzoom hat sich in den letzten Jahren ja auch was getan, bei Sony heißt die Technik Clear Image Zoom. Dabei wird nicht einfach stumpf skaliert, durch verschiedene Softwaretricks werden viel mehr Details erhalten.

    Natürlich ersetzt der Digitalzoom keine echte Brennweite, aber wir reden hier immer noch von einer Kompaktkamera, die bestenfalls immer dabei ist. Dafür muss sie aber klein und leicht sein und näher herangehen oder digital zoomen geht nun mal ohne zusätzliches Equipment.

    Den fehlenden ND-Filter kannst du dagegen viel schwerer ohne zusätzliches Equipment ersetzen. Für Fotos gibt es ein paar Tricks, aber beim Filmen wird das deutlich komplizierter.
    Dasselbe gilt für die geringere Lichtstärke. Immer ein Stativ mitschleppen kann bei einer solch kleinen Kamera ja nicht der Sinn der Sache sein und damit fängst du nur das verwackeln der Kamera ab, wenn du aus der Hand fotografierst, nicht aber die eventuelle Bewegungsunschärfe deines Motivs.

    Und nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass das Rauschverhalten der Kamera so viel besser ist, dass man einfach mit viel höherer ISO-Empfindlichkeit arbeiten kann als beim Vorgänger.

    Bei der RX100 VI hat Sony am falschen Ende dazu gepackt und dafür am falschen Ende abgebaut.
    Ich kann verstehen, dass sich viele mehr Zoom wünschen, aber dann sind sie bei einer RX100 falsch.
    Besser wäre es gewesen neben der RX100-Serie eine zweite Serie, von mir aus RX50 zu etablieren, die zwischen der RX10 und der RX100 sitzt. Die RX100 VI hätte dann wieder die RX100-typischen Merkmale aufweisen können: großer Sensor mit einem lichtstarken Objektiv.

    Bei der neuen Serie hätte Sony dann sogar mit kleineren Sensoren arbeiten können. Damit lässt sich ein großer Zoom viel einfacher erreichen. Gepaart mit einem lichtstarken Objektiv und einem aktuellen Smartphone-Sensor müsste solch eine Kamera einer RX100 VI in nichts nachstehen. Sie könnte sie sogar übertreffen.

    Aber hätte, wäre, wenn. Sony ist diesen Weg nicht gegangen. Die RX100 VI ist da, mit dickem Zoom, ob’s mir passt oder nicht.

    Was ich mir von der RX100 M6 gewünscht hätte

    Eigentlich ist die RX100 V eine nahezu perfekte Kamera. Ich hab sie mir nur nicht gekauft, weil sie keinen Touchscreen hat und weil sie Sau teuer ist.
    Von daher war mein einziger wahrer Wunsch tatsächlich nur ein Touchscreen. (Mit der vielen Kohle hätte ich irgendwie leben müssen.)

    Weitere Ideen für eine RX100 habe ich natürlich trotzdem.
    Wie wäre es z.B. mit 4k in 50 bzw. 60 fps oder 240 fps in Full HD?
    Oder statt dem Sucher hätte Sony etwas Platz für die Kühlung lassen können, damit länger in 4k gefilmt werden kann. Ein Mikrofoneingang wäre auch ein grandioses Feature.

    Und wenn schon ein neues Objektiv, warum nicht mehr Weitwinkel? Als Nikon die nie erschienene DL-Serie vorgestellt hat, war die Freude groß, dass es bald eine Profi-Kompaktkamera geben wird mit umgerechnet 18 mm im Weitwinkel.
    Reisezoom- und Superzoom-Kameras gibt es schließlich schon genug.

    Oder wie wäre es mit mehr Lichtstärke? Panasonic hat mit der LX15 immerhin ein heißes Eisen im Feuer mit einer Offenblende von f/1.4 im Weitwinkel, oder Canon schafft es bei der G7X, dass die Blende viel langsamer zugeht, wenn du zoomst.

    Es gibt also tatsächlich noch eine ganze Ladung an möglichen Features, die Sony hätte bringen können.
    Das was jetzt vorgestellt wurde, klingt für mich mehr nach einem Marketing Gag. 8x Zoom lässt sich einfach besser vermarkten als “eingebauter ND-Filter”.

    Mein Fazit zur Sony RX100 VI

    Wie gesagt, ich hatte die Kamera noch nicht in der Hand und lasse mich deshalb gerne eines Besseren belehren. Das, was ich bis jetzt aber über die Kamera weiß, überzeugt mich nicht.
    Die Kamera ist sicher gut, sie passt aber nicht in das von der RX100-Serie eingeschlagene Konzept.

    Ich habe Neuerungen an andere Stelle erwartet. Wer mehr Zoom will, kann schließlich zur RX10 greifen. Dort wünsche ich mir übrigens eine RX10 IV mit dem Objektiv der RX10 II. Kurioserweise geht Sony nämlich auch bei der RX10 den Weg der größtmöglichen Brennweite.

    Eine RX100 muss für mich klein, leicht, lichtstark, universell mit überragenden Video-Features sein. Die RX100 VI ist das nur zum Teil. Schade.

    Noch was!

    Auf den ersten Blick begrüße ich es, dass Sony die alten Modelle nicht vom Markt nimmt und wir als Verbraucher mehr Auswahlmöglichkeiten haben.
    Den wirklichen Vorteil haben wir als Verbraucher aber gar nicht, den größten Vorteil durch diese Politik hat Sony. Die Kameras sind einmal entwickelt und werden ewig so verkauft. Die Entwicklungskosten sind sicher schon lange hereingeholt, sodass jetzt Geld damit gemacht wird.
    Dagegen ist nichts einzuwenden. Wäre es aber nicht besser, auch den “alten” Kameras ein Update zu spendieren?
    Warum nicht die neue Technik in das Gehäuse einer RX100 Mark I packen, sodass der Kunde sich zwischen kleiner und etwas größerer Kamera entscheiden kann?
    Warum nicht eine RX100 V Mark II (klingt lustig!) mit Touchscreen auf den Markt bringen?
    Bei der RX10 sagte ich es ja schon weiter oben. Will ich den Phasenvergleichs-AF und Touchscreen, muss ich das Monster mit 600 mm Brennweite und variabler Offenblende kaufen. Will ich aber gar nicht, mir ist die etwas kleinere Variante mit 200 mm und durchgehender 2.8er Blende viel lieber, die gibt es aber nicht mit der neuesten Technik.

    Auch das ist schade.

    Was denkst du über die Sony RX100 VI? Kaufst du dir eine?