Fototipp 20: Die Schärfentiefe berechnen und damit arbeiten

In der Landschaftsfotografie willst du in der Regel alles scharf haben. Du musst die Blende also schließen, um eine große Schärfentiefe zu erreichen. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie weit du die Blenden schließen musst und auf welchen Punkt du fokussieren sollst.

Die Schärfentiefe ist ein Maß für die Ausdehnung des scharfen Bereichs im Objektraum eines abbildenden optischen Systems.

…sagt die Wikipedia.

Das heißt, die Schärfentiefe gibt den Bereich deines Bildes mit annehmbarer Schärfe an.
Aber wie groß ist dieser Bereich? Das kannst du ausrechen, die Formel dafür findest du auch bei Wikipedia.
Besser ist: Ausrechnen lassen!
Am besten nutzt du eine App. Für Android gibt es z.B. DOF Calculator oder DoF CalC.
Ich nutze DOF Calculator und zeige dir anhand eines Beispiels, wie du damit arbeitest.

Was musst du wissen?

  1. Die Sensorgröße
    Hier kannst du entweder direkt dein Kameramodell einstellen, oder den Sensor (Cropfaktor).
    Gänige Einstellungen: FullFrame 35mm (z.B. für alle Kameras der a7-Serie), APS-C 1.5x (alle Sony + Nikon APS-C Kameras, bspw. a6000, a65 usw.), für Canon APS-C 1.6x und Micro Four Thirds 2.0x.
    Hast du eine RX100 nimmst du Nikon CX 2.7x.
  2. Die Brennweite (Focal Length)
    Die Brennweite, mit der du fotografieren willst.
  3. Den Abstand zum fokussierten Objekt (Subject Distance)
    Jetzt wirds kniffelig, im Normalfall musst du diesen Wert schätzen. Pi mal Daumen reicht in der Regel. Wenn du manuell fokussierst, kannst du bei manchen Objektiven ablesen, auf welche Entfernung du fokussiert hast.
  4. Die Blendenöffnung (Aperture F-Stop)

Die Werte 1-2 stehen in der Regel fest. Der Sensor ist fest verbaut und die Brennweite bestimmt deinen Bildausschnitt. Variieren kannst du die Entfernung deines Fokuspunktes und die Blende.

Ein Beispiel

Ich habe versucht das Beispiel so klein wie möglich zu halten, dass du die Unterschiede deutlich sehen kannst. 100%ig zufrieden bin ich mit den Ergebnissen nicht, vor allem hat das Licht ständig gewechselt. Ich hoffe, du verstehst das Beispiel trotzdem.

Unser Ziel:

Alles scharf abbilden. Mickey, Giraffe, Hintergrund.
Also so:

Versuch 1:

Fokus auf Mickey (ca. 50cm), offene Blende f/1.8, Brennweite ca. 9mm mit der RX100 III)
DOF Calculator sagt uns dabei:

Klar, hier erhalten wir eine sehr geringe Schärfentiefe von nur 13cm rund um Mickey herum. Im Bild siehst du, die Rechnung stimmt halbwegs.

Versuch 2:

Wir schließen die Blende auf f/11. Kleiner geht bei der RX100 III nicht. Den Rest lassen wir unverändert.
DOF Calculator sagt uns:

Mist, wir kriegen Mickey und die Giraffe scharf, aber bis ins Unendliche reicht es nicht.

Versuch 3:

Gleiche Einstellungen, aber wir fokussieren auf die Giraffe (ca. 100cm).
DOF Calculator sagt uns:

Bingo! Unsere Schärfentiefe reicht bis ins Unendliche. Mickey scharf, Giraffe scharf, Hintergrund scharf.

Nun sind wir am Anschlag der Blende, Achtung Beugungsunschärfe!
Es geht noch besser!

Versuch 4:

Gleiche Einstellungen, Fokus auf die Giraffe und Blende f/8.
DOF Calculator sagt uns:

Bingo again! Alles bis ins Unendliche scharf und der Beugungsunschärfe wurde der Kampf angesagt!
Im Beispiel hätte sogar Blende f/7.1 gereicht, weil du eh nicht unendlich weit gucken kannst auf dem Bild.

Mein Tipp:

Blende eine Stufe weiter ab als nötig, so bist du auf der sicheren Seite.

Was haben wir heute gelernt?

Die Schärfentiefe hängt ab von:

  • der Blende
  • von der Entfernung zum Fokuspunkt

D.h. willst du einen größeren Bereich in der Schärfenebene haben, musst du nicht zwangsläufig abblenden. Auf ein weiter entferntes Objekt zu fokussieren hat den gleichen Effekt.

Warum du das wissen musst?

Willst du bis ins Unendliche alles scharf haben, dann musst du abblenden. Zu weit abblenden führt aber zu:

  • Beugungsunschärfe
  • längeren Belichtungszeiten
    Beugungsunschärfe will man nie, lange Belichtungszeiten nur manchmal (wegen Verwacklern, Wind, andere sich bewegende Objekte…).

Über Fototipp

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Na dann… gehe raus und habe Spaß!

Marc

PS: Nächste Woche geht es schon wieder um die Schärfe.


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2 Kommentare zu “Fototipp 20: Die Schärfentiefe berechnen und damit arbeiten

  1. Markus

    Was mit der zeit irgendwie ganz selbstverständlich ist, kann Anfänger voll aus dem Gleichgewicht bringen 😉 Du hast es wieder wunderbar dokumentiert. Ein schöner, lesenswerter Beitrag!!
    lg Markus

    1. Marc

      Danke, Markus.
      Ja, das ist wie beim Autofahren. Erst denkt man, dass man das mit dem Schalten nie hinkriegt. Aber irgendwann läuft es automatisch ab.
      Wichtig ist, dass man weiß wie es geht und einsetzt: Nur im ersten Gang kommt man nicht weit 🙂

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