Die Motivsuche bei der Landschaftsfotografie

Klickt man sich durch Bildarchive oder Communities, so sieht man, dass die Landschaftsfotografie oft mit Superlativen protzt und eigentlich als Reisefotografie bezeichnet werden müsste.
Aber muss du wirklich zu den besten Naturphänomenen reisen um gute Landschaftsaufnahmen zu machen, oder geht das auch vor der eigenen Haustür?

Wenn es von der Zeit und vom Wetter passt, schwinge ich mich Abends ab und zu auf das Fahrrad und radle samt Fotoausrüstung irgendwo hin.
Da die Zeit begrenzt ist und man mit dem Fahrrad auch nicht ganz so schnell unterwegs ist, ist es nicht verwunderlich, dass ich oft ähnliche Strecken fahre und so eben auch immer wieder die gleichen Motive vor die Linse bekomme.

Letztens saß ich auf einer Bank am Hubertussee, hatte die Kamera in der Hand, habe aber keine Fotos gemacht.
Ich wollte keine Fotos machen weil ich das ja schon alles Fotografiert habe.
Die Spiegelungen des Wassers, der See aus diesem Winkel, die Frösche…all das habe ich schon in meiner digitalen Bildersammlung.
An dieser Bank bin ich oft, die ist cool! 🙂
Aber ist das ein Grund keine Fotos zu machen?
Darf man Dinge nur einmal fotografieren?

Nein, natürlich nicht!
Erst recht bei der Landschaftsfotografie bietet es sich doch richtig an zu verschiedenen Zeiten Fotos zu machen.
Unterschiedliches Licht, ein neuer Winkel, die Veränderung der Umgebung… Gründe gibt es genug.

Vor allem fühle ich mich hier, in einer für Landschaftsfotografen, privilegierten Gegend (Brandenburg, direkt an der nördlichen Berliner Stadtgrenze).
Wir haben hier Seen, Flüsse, Sümpfe und unendliche Weiten.
Nur Berge gibt es hier halt nicht.
Dafür aber Lost Places (ist nicht unbedingt der Landschaftsfotografie zuzuordnen, aber irgendwas wollte ich den fehlenden Bergen noch gegenüber stellen :))
Also sollte ich das doch auch nutzen, auf einer Reise hat man selten den Luxus auf das richtige Licht zu warten. Hier zu Hause kann ich losgehen wenn es passt.

Sensationsgeilheit oder das alltägliche?

Die Anden in Peru

Die Anden in Peru

Nur was sind die besseren Fotos?
Was ein gutes Foto ist und was nicht liegt natürlich im Auge des Betrachters. Oft findet man ein Foto gut, weil es positive Gefühle in einem weckt und genau deshalb funktionieren Landschaftsaufnahmen der bekannten Naturdenkmäler einfach gut.

Es ist einfach viel leichter vom Grand Canyon ein Foto zu machen über das auch andere Leute staunen als vom Hubertussee oder von der Havel.
Die peruanischen Anden, der Teide auf Teneriffa oder von mir aus auch die traumhaften Buchten Mallorcas.
All das ist schnell fotografiert und wenn man ein paar Regeln beachtet wird das Bild von der Mehrheit der Betrachter für gut befunden.

Aber wollen wir das? Willst du das?
Müssen wir die ganze Zeit zu solchen Zielen reisen für die Landschaftsaufnahmen?

Auch hier sage ich: Nein!

Geil wäre das natürlich schon. Reisen ist toll, reisen finde ich wichtig und ich reise auch total gerne und viel. Aber die meisten Zeit bin ich eben doch zu Hause.

Ich habe mal gelesen, dass man zum Üben und Lernen bekannte Landschaftsaufnahmen nachmachen soll.
Die Idee ist nicht schlecht, weil man lernt tatsächlich was dabei.
Aber der Haken daran ist natürlich, dass man solch eine Aufnahme nur am gleichen Ort nachmachen kann.

Du kannst aber auch Lernen in dem du immer wieder am gleichen Ort fotografiert.
Wenn du lange genug sucht, findest du vielleicht doch noch einen besseren Standpunkt, oder das Licht ist irgendwann viel besser, oder im Winter ist es besser als im Sommer… oder oder oder…

Ich für meinen Teil werde das auf jeden Fall so machen. Ich werde mir den Luxus gönnen, nicht genau jetzt das Foto machen zu müssen, weil mir der Reiseleiter im Nacken sitzt oder die Familie weiter will.
Ich werde mir Zeit lassen und wenn mir das Licht heute nicht gefällt oder ich einfach nicht in der Stimmung bin, dann vielleicht bei meiner nächsten Tour.

Wettbewerbe und Veröffentlichungen?

Teneriffa: Sonnenuntergang mit La Gomera im Hintergrund

Sonnenuntergänge kommen immer gut an, wie dieser hier auf Teneriffa

Welche Fotos ich veröffentlichen werden und welche ich bei Wettbewerben einreiche ist dann aber natürlich eine andere Frage.
Denn, wie schon oben gesagt, ist es viel leichter mit einem Bild Gefühle zu wecken, wenn das Motiv bekannt, bombastisch oder was weiß ich was ist.

Ich fotografiere aber in erster Linie für mich und nicht für andere. Ich gehe Fotografieren weil es mir Spaß macht und nicht weil ich die Bilder unbedingt anderen Menschen zeigen will.

Für Wettbewerbe werde ich einfach die passenden Bilder nehmen, je nach gewünschtem Thema.
Das werden sicherlich oft Reisen sein, aber da ich mit der Zeit vor meiner Haustüre immer bessere Fotos machen werde (so ist zumindest nach dem schreiben dieses Beitrags mein Plan), werde ich sicherlich auch von denen immer mal wieder etwas einreichen.
Das mache ich jetzt übrigens auch schon so.

Na dann… gehe raus und habe Spaß!

Marc

PS: Dieser Beitrag hat mich jetzt dazu ermutigt mich intensiver mit dem Thema Landschaftsfotografie und vor allem der Komposition und Bildwirkung zu beschäftigen, so dass ich darüber sicher noch mehr schreiben werde. Du kannst also gespannt sein!

PPS: Wie denkst eigentlich du darüber?


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