Fototipp 56: Gegenlicht oder warum du in die Sonne fotografieren sollst und wie das geht

Du kennst sicher die Regel, dass du die Sonne beim Fotografieren im Rücken haben sollst.
Für manche Motive stimmt das, aber Regeln sind zum Brechen da, also breche sie und schieße interessantere Bilder.

Warum du die Sonne im Rücken haben sollst

Fotografierst du im Freien, ist die Sonne meist die einzige und stärkste Lichtquelle und leuchtet dein Motiv aus.
Hast du die Sonne im Rücken, heißt das automatisch, dass dein Motiv gut ausgeleuchtet wird.
Oft willst du das, dann mach das so!

Gegenlicht

Heute will ich dir aber zum Gegenteil raten.

Fotografiere in die Sonne!

Warum?
Es macht deine Bilder spannender und bei Landschaftsaufnahmen auch natürlicher.
Betrachte doch einfach eine Landschaft, die von einem Kind gemalt wurde. Wetten, dass da eine Sonne auf dem Bild ist. Wieso also nicht auch auf deinen Fotos?

Eine klassische Landschaftsaufnahme mit Sonne.

Keine Landschaft, aber auch eine Möglichkeit, um gegen die Sonne zu fotografieren.

Gegen die Sonne fotografieren: So geht’s!

Ganz wichtig, achte auf eine saubere Frontlinse und stecke die Streulichtblende auf das Objektiv.
Fotografierst du gegen die Sonne, bilden sich oft Blendenflecken und Flares. Durch ein sauberes Objektiv und mit montierter Streulichtblende kannst du das minimieren.

Ansonsten gelten die gleichen Tipps, wie beim Fotografieren eines Sonnensterns:

Belichte so, dass die Sonne nicht alles überstrahlt, die Tiefen im Vordergrund aber nicht komplett absaufen.
In der Nachbearbeitung passt du die Helligkeitswerte dann an.

Im Beispiel siehst du das Foto, wie es aus der Kamera kam. Die roten Flecken sind dabei ganz weiß, die blauen ganz schwarz.

Bei der Nachbearbeitung habe ich folgendes gemacht:

  • Belichtung angehoben
  • Lichter verringert
  • Tiefen deutlich angehoben

Das Ergebnis sieht dann so aus:

Alternative 1: HDR

Wenn du gegen die Sonne fotografierst, stößt der Sensor in deiner Kamera an seine Grenzen. Die Helligkeitsverteilung ist von ganz hell bis ganz dunkel. Alles korrekt auf’s Bild zu kriegen, ist schwer.
Eine Alternative wäre ein HDR, dabei nimmst du entweder mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungen auf und verrechnest sie anschließend am Rechner (das kann bspw. auch Lightroom). Einfacher geht es mit der HDR-Funktion deiner Kamera. Der Nachteil bei der kamerainternen Umrechnung ist, dass du das Bild nicht im RAW-Format erhältst. Dafür kannst du es vor Ort kontrollieren.

Tipp:
Für HDRs machst du am besten eine Belichtungsreihe. Wahrscheinlich hat deine Kamera sogar eine Funktion dafür. Suche nach »BRK« oder »Bracketing«.

Ich persönlich versuche in der Regel, mit einem Bild auszukommen.
Das Beispiel hier zeigt ein HDR aus 5 Einzelbildern, verrechnet in Lightroom.

Alternative 2: Gegen die Sonne blitzen

Um den Vordergrund aufzuhellen, kannst du ihn auch anblitzen oder mit einem Reflektor arbeiten.
Da ich hauptsächlich Landschaften fotografiere, mache ich das nicht. Außerdem bin ich beim Thema »Blitzen« (noch) nicht so fit, um großartig Ratschläge zu geben, unerwähnt will ich diese Tatsache aber nicht lassen.

Das Beispiel zeigt 2 unbearbeitete Bilder direkt aus der Kamera. Rechts blitze ich den Pfosten an, links wurde ohne Blitz fotografiert.

Wenn die Sonne durch Wolken scheint

Manchmal muss die Sonne gar nicht zu sehen sein, um in die Sonne zu fotografieren. Oft kommen nur einzelne Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervor. Auch das bereichert deine Bilder!

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14 Kommentare zu “Fototipp 56: Gegenlicht oder warum du in die Sonne fotografieren sollst und wie das geht

  1. Pingback: Artikel: Fototipp 56: Gegenlicht oder warum du in die Sonne fotografieren sollst und wie das geht | knippserblog

  2. Bee

    Zu analogen Zeiten waren Sonnenuntergänge eine echte Herausforderung, ich habe mit dem Belichtungsmesser erst die Sonne gemessen und dann die dunklen Stellen und mich dann für eine Belichtungszeit irgendwo in der Mitte entschieden. Digital ist da ja anders, glaube ich zumindest. Mit HDR habe ich noch nie gearbeitet. Gegenlicht finde ich spannend und schön, ich bewundere das bei anderen immer. Vielen Dank für deine Tipps.

    Liebe Grüße, Bee

    1. Marc Autor des Beitrags

      Hallo Bee,

      im Prinzip ist das mit einer digitalen Kamera dasselbe. Du musst die Belichtung irgendwo in der Mitte finde, die Sonne nicht zu hell, der Rest nicht zu dunkel.
      Der große Vorteil an der digitalen Fotografie ist, dass du hinterher die Tiefen ganz einfach heller machen kannst und die Lichter dunkler und du somit ein ausgeglichenes Bild erhälst.

      Bei mir sind Fotos gegen die Sonne ohne Nachbearbeitung immer zu dunkel, damit ich um die Sonne rum nicht zu viel verliere.
      HDR ist nicht so wichtig. Moderne Sensoren haben genug Dynamikumfang, dass das auch ohne HDR klappt. Ich mache es in 99% der Fälle auch ohne HDR.

      Liebe Grüße,
      Marc

  3. Markus

    Ich liebe Gegenlichtaufnahmen! Nichts schöneres. Das funktioniert auch herrlich bei Portraits! Du hast wieder mal ne wunderbare Zusammenfassung geschrieben, sehr hilfreich! Wie immer 😉
    lg

    1. Marc Autor des Beitrags

      Danke und ja, ich habe mache auch gerne Portraits gegen die Sonne … aber unterm Strich bin ich doch eher der Landschaftsfotograf 🙂

  4. Jürgen Engels

    Tolle Bilder , toller Artikel ! Auch ich habe in der Vergangenheit sehr oft gegen die Sonne fotografiert und war mit meinen Bildern auch glücklich ! Du spornst mich an, gleiches wieder zu tun !

  5. Paleica

    ich liebe ja gegenlichtsfotografie. allerdings finde ich es immer wieder schwierig, die richtigen einstellungen zu finden. saubere linse und gegenlichtblende vergesse ich immer. ich werde das mal irgendwo im hinterkopf behalten ^.^

    1. Marc Autor des Beitrags

      Ja, das mit der sauberen Linse kenne ich irgendwoher … aber ich werde besser!
      Die Gegenlichtblende ist bei mir immer montiert, selbst wenn die Kamera einfach nur so rumliegt 🙂

  6. Candy Shop

    Vergesst nicht die Belichtungskorrektur. Ein weiterer sehr nützlicher Helfer… 😉 Dann geht das mit der RAW Nachbearbeitung noch viel leichter…
    Lensflares und Überstrahlungen sind bei mir schon Standard. Ich will die gar nicht aus dem Bild raus haben. Deshalb benutze ich auch keine Optiken wie das vielgerühmte Sigma 1.4/50 Art… Da sind solche Abbildungsfehler schon nicht mehr möglich… ich finde gerade die machen aber den Flair eines Bildes aus. Digital ist so schon steril genug.

    1. Marc Autor des Beitrags

      Richtig, wenn bei mir irgendwann mal was an der Kamera kaputte geht, dann ist es der Knopf für die Belichtungskorrektur 😀

  7. Philippe

    Hi Marc
    Toller Bericht.

    Eins hat mir gefehlt: was mit dem ND-Verlaufs-Filter?

    Mit dem kriegt man richtig tolle Fotos hin.
    Und wenn man im Besitz einer Canon ist, kann man mit geschlossener Blende, f/22, herrliche “Sterne” Fotografieren.

    Grüsse Philippe

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