Das Internet frisst sich selbst und warum gute Inhalte immer seltener werden

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Kennst du das Buch Logoland?
Es ist schon ein paar Jahren her, dass ich es gelesen habe. Aber grob kann ich mich noch daran erinnern. In Logoland gehört alles verschiedenen Marken. Bspw. gibt es eine Matel (der Barbie-Hersteller!) Schule, die Schüler heißen deshalb auch mit »Nachnamen« Matel.

Usw.

Schau ich mir das heutige Internet an, ist es kaum anders.

  • Facebook
  • Amazon
  • Google

Und dann kommt ganz lange nichts.

Die Dominanz von Microsoft bei den Betriebssystemen oder Browsern vor ein paar Jahre war ein Scheißdreck im Vergleich zu den Monopolen, die sich im Internet gebildet haben.

Und man kann nichts dagegen tun und es wird immer schlimmer!

Ob diese Entwicklung jetzt gut oder schlecht ist, will ich in diesem Beitrag gar nicht erörtern. Problematisch finde ich allerdings die Auswirkungen auf das gesamte Internet, auf die (informierte) Gesellschaft und natürlich auch auf mich und meine Bloggerkollegen.

Zuerst hat das Internet den Printbereich gefressen und jetzt frisst es sich selbst!

Facebook und Google versuchen uns möglichst lange, innerhalb ihrer Dienste zu halten.
Bei Facebook kannst du das ganz einfach ausprobieren. Poste einen Beitrag mit einem Link, der aus Facebook herausgeht. Dieser Beitrag wird nicht so viele Freunde oder Fans von dir erreichen wie ein Beitrag ohne Link.

Aus Sicht von Facebook ist das logisch, aus Sicht des Users ist es unfair und objektiv betrachtet ist es hochgradig problematisch.

Der Facebook- Algorithmus versucht das restliche (das eigentliche!) Internet zu verschleiern. Das ist scheiße! Erst recht für Blogger und all die anderen, die tolle Inhalte ins Netz stellen.
Wir investieren viel Zeit und Geld, um guten Content zu erstellen, haben aber kaum noch Möglichkeiten diesen zu promoten. (Außer wir bezahlen dafür!)

Google ist auch nicht besser. Bei vielen Suchanfragen werden die passenden Ausschnitte aus der Webseite einfach direkt über den Suchergebnissen angezeigt. So gibt es keinen Grund mehr, die Seite von der der Content stammt zu besuchen.

Das ist dreist! Man kann das zwar unterbinden, aber dann steht man gar nicht mehr oben …
Anfang des Jahres stellte Google die Bildersuche auf eine dreiste Variante um. Seitdem ist es viel schwerer, vom Bild in der Suche auf die dazugehörige Webseite zu kommen.

Aus Googles Sicht kann ich nur sagen: Ziel erreicht!

Aus der Sicht von uns Content-Produzenten ist das aber megascheiße!
Zur Veranschaulichung hier meine Zugriffszahlen über die Bildersuche. Es ist schwer zu übersehen, wann Google die Suche umgestellt hat.

Warum ist das problematisch?

Wir Content-Produzenten finanzieren uns über eine Mischkalkulation.
Fast unser gesamter Content ist kostenlos! Geil, oder?
Unser Wissen, unsere Erfahrungen, unsere Eindrücke … all das schenken wir dir! Und mit »wir« meine ich nicht nur mich und die anderen Blogger. Auch die größten Seiten Deutschlands, wie Spiegel online und Co. finanzieren sich so.

Wir versuchen, gute Inhalte zu erstellen, die dich auf unserer Seite halten und dich wiederkommen lassen und du dann vielleicht auf einen Affiliate-Link oder auf Werbung klickst oder eines unsere Produkte kaufst.
Damit finanzieren wir uns!
Da unterscheiden wir uns nicht großartig von Google oder Facebook.

Der Unterschied ist jedoch:
Wir wollen dich mit UNSEREN Inhalten auf UNSEREN Seiten halten, damit WIR etwas verdienen, um weiterhin gute Inhalte erstellen zu können.

Google und Facebook hingegen wollen dich mit UNSEREN Inhalten auf IHRER Seite halten, damit SIE was verdienen.

Ist dir der feine Unterschied aufgefallen?

Gemein, oder?

Die Lösung des Dilemmas?

Traurig, aber es gibt keine Lösung. Es ist eine Abwärtsspirale und ich weiß nicht wohin das führen wird.
Gerade bei Google frage ich mich, ob sich die Katze nicht selbst in den Schwanz beißt. Schließlich können nur Inhalte angezeigt werden, wenn es diese gibt. Wenn aber keiner mehr davon leben kann, Inhalte zu erstellen, dann gibt es irgendwann auch keine mehr …

(Und suchen muss dann auch keiner mehr … gibt ja nix zu finden!)

Bei Facebook hingegen kommt man über kurz oder lang wohl nicht drumherum dafür zu bezahlen, dass Posts mit Links zu »externen« Inhalte überhaupt angezeigt werden.
Das lohnt sich auf Dauer aber nur, wenn mit den Inhalten mehr verdient wird, als man für die Werbung auf Facebook bezahlt. Ich fürchte, dass viele gute Beiträge dann gar nicht geschrieben werden …

Ein anderer Ansatz wäre, es mit den »eigenen« Inhalten sein zu lassen. Also gar keine eigene Webseite mehr zu betreiben und den Content direkt auf den Plattformen zu posten.
Also auf Facebook, Instagram oder YouTube.

Dann wäre zwar das Problem gelöst, dass die Plattformen die User bei sich behalten wollen, dafür stellt sich die Frage nach der Finanzierung.

YouTube kann mit der oben beschriebenen Mischkalkulation funktionieren. Facebook und erst recht Instagram aber nicht.

Als solide Finanzierung fällt mir da nur Werbung ein, und zwar innerhalb der eigenen Beiträge. D.h., ich werde von Unternehmen xyz bezahlt, dass ich dieses und jenes poste.

Und jetzt guckst du dir die Überschrift des Beitrags an “Das Internet frisst sich selbst und warum gute Inhalte immer seltener werden”.

Unabhängig ist anders … Logoland halt!

Aber selbst wenn es möglich wäre, mit guten, unabhängigen und ausführlichen Inhalten bei Facebook und Co. Geld zu verdienen, wäre es aus menschlicher Sicht dumm und gefährlich.
Dumm, weil Facebook so aufgebaut ist, dass alte Beiträge sehr schnell verschwinden und dir immer wieder etwas Neues angezeigt wird. Wiederfinden tut man bei Facebook eh nichts.

Stell dir vor Einstein, Newton oder Goethe hätten ihre Entdeckungen und ihre Schriften nur ein paar Freunden gezeigt und dann verbrannt.

Das ist Facebook!

Dieses Problem wäre lösbar, Facebook müsste sich ändern. Eine andere Sache ist allerdings, dass wir unsere gesamten Inhalte nicht in die Hand eines Unternehmens geben sollten.
Facebook hat in der Vergangenheit schon öfter radikale Änderungen eingeführt und damit die User vergrault … (Die mangels Alternativen trotzdem geblieben sind.)

Guck dir dazu das Mittelalter an. Damals hatte die Kirche die Hand auf dem Wissen der Menschheit, das bedeutete Stillstand oder Rückschritt, und zwar Jahrhunderte lang!

Die Beispiele klingen übertrieben, sind aber nicht an den Haaren herbeigezogen! Beschäftige dich etwas mit dem Brexit oder der Wahl von Donald Trump. Du hast sicher schon die Worte »postfaktisch« oder »Fake-News« gehört.
Beides sind Synonyme für »schlechte Inhalte«! Billig produzierter Müll ohne Hand und Fuß! Und trotzdem verbreiten sich solche Inhalte – dem Facebook-Algorithmus sei dank – schnell!

Natürlich haben die User eine Mitschuld an der Problematik. Wer anhand der Anzahl von Likes entscheidet ob Nachrichten wahr oder falsch sind, statt den eigenen Verstand einzusetzen, sollten sich aus den sozialen Medien besser zurückziehen und lieber seriöse Zeitungen lesen.

Zum Schluss noch: Es gibt eine Lösung! (Vielleicht)

Werde du als Leser unabhängig von Facebook und Google. Abonniere die Newsletter und Rss-Feeds von Blogs, die du gerne liest!
Das bringt tatsächlich was!

Und fange an, dich damit abzufinden, dass du im Internet nicht alles umsonst haben kannst.

Wahrscheinlich ist das die größte Fehlentwicklung überhaupt. Es ist einfach nicht möglich, auf Dauer alles kostenlos zu haben. (Auch hier lässt Logoland grüßen!)

Hand aufs Herz: Wenn du zwei Zeitungen nebeneinanderliegen hast, einmal z.B. die Welt oder die FAZ und daneben solch ein kostenloses Teil. Bei uns heißt das »Märker« und »Wochenspiegel«, ich kenne es aber auch unter »Wochenblatt« usw. …
In welcher Zeitung erwartest du bessere Inhalte?

Vielleicht ändert sich ja unsere Einstellung zu den kostenlosen Inhalten im Internet langsam und wir finden einen Mittelweg, der sich über Spenden finanziert.
Flattr war ein genialer Ansatz, wurde aber leider nicht angenommen. Patreon scheint für ein paar wenige zu funktionieren … warten wir es ab.

Sorry für den langen Beitrag weit ab von meinen sonstigen Themen, aber das musste raus. Die Entwicklung macht mir Angst!
Keine existentielle Angst, viel mehr mache ich mir Sorgen um unsere Gesellschaft.

Das Internet ist eine solch geniale Erfindung, die – richtig eingesetzt – jedem Menschen dienen kann. Ich sehe uns dafür aber nicht auf dem richtigen Weg. Entweder müssen wir unsere Einstellung zu Inhalten im Netz ändern oder die gesamte Gesellschaft muss sich radikal ändern (Stichwort: Grundeinkommen, Sharing Economy usw.).

Wie siehst du das?