Die Rigi: ein Besuch auf der Königin der Berge

Mit einem dumpfen Knall lande ich rücklings auf dem Boden. Meine Frau stürzt zu mir und will wissen, was passiert ist. Ich hingegen rattere fortwährend die Zahlen 6 und 5 vor mir her. 6 … 5 … 6 … 5 … 6 … 5 …
Verzweifelt sucht meine Frau nach Hilfe, bis sie von der Frau an der Kasse angesprochen wird. Mit Schweizer Akzent sagt diese: »Wahrscheinlich meint er den Fahrpreis. Fünfundsechzig Franken.« Meine Frau denkt noch: »Puh, nicht wenig«, als die Kassiererin sagt: »Pro Person.«

Mit einem dumpfen Knall landet meine Frau rücklings auf dem Boden. Fortwährend rattert sie die Zahlen … 6 … 5 …

Ok, das kennst du schon. 🙂

Ganz so dramatisch war die Szene auch gar nicht, ich kippte nicht um und meine Frau auch nicht. Aber der Preis stimmt!
(Zwischenzeitlich sind es sogar 68 Franken; der Einfachheit halber kannst du das 1:1 in Euro umrechnen.)

Es handelt sich um den Fahrpreis für die Vitznau-Rigi-Bahn. Von Vitznau hinauf zur Rigi-Kulm. Fahrzeit ca. 30 Minuten; Strecke 7 km. In Betrieb seit 1871 und damit die älteste Zahnradbahn Europas.

Nun gut.
Auch wenn ich nicht umkippte, mein Herz setze ein, zwei Schläge aus und mein Hirn ratterte auf Hochtouren: »Lohnt sich das???«

Es lohnt sich!

Schweren Herzens wanderte meine Kreditkarte über den Tresen und ich bezahlte den Fahrpreis. Immerhin, die Kinder waren umsonst dabei und den Kinderwagen konnten wir auch mitnehmen.

Die Wartezeit nutze ich, um gefütterte Matschsachen aus dem Auto zu holen. Eine sehr gute Idee!
Der Rest der Familie stand derweil am Ufer des Vierwaldstättersees und beobachtete einen Dampfer, mit dem weitere Fahrgäste für die Zahnradbahn ankamen.

In der Bahn wurde es tatsächlich voll, viele Touristen, Asiaten, Amerikaner, ein paar Schweizer, wir und ein paar Einheimische.

Los ging es in waagerechter Position bei traumhaftem Frühlingswetter. Kurze Zeit später hatte ich zu kämpfen, dass ich nicht vom Sitz rutsche: 30% Steigung! Und noch später waren wir im tiefsten Winter: 30cm Schnee!

Beeindruckend!

Klar, der Kinderwagen ist bei dieser Schneehöhe so nützlich wie ein Trabi im Weltall. Egal. Wir waren gut vorbereitet. Manduca (Babytrage) + Cover gegen die Kälte für das Töchterchen.
Sohnemann war mit den gefütterten Matschsachen gut versorgt und vorerst nicht mehr richtig ansprechbar. Er war einfach faszinierent, dass wir plötzlich in tiefem Schnee standen.

(Irgendwann wurden seine Zehen kalt, da hatte er dann auch keinen Bock mehr.)

Eine andere Familie rechnete scheinbar mit Strandwetter und war entsprechend gekleidet. Die fuhren tatsächlich mit der nächsten Bahn wieder runter! Bei dem Fahrpreis hätte ich lieber drei Zehen geopfert, als sofort wieder ins Tal zu fahren!
Naja, jeder, wie er will!

Auf der Rigi

Die Vitznau-Rigi-Bahn hält an verschiedenen Haltestellen, wir fuhren direkt nach oben auf die Rigi-Kulm.

Leck mich am Arsch! Was für eine Aussicht!

Goethe stand schon hier, Mark Twain stand hier und jetzt ich (zusammen mit ein paar Amerikanern, Chinesen, Japanern, Russen usw.)!

Die Rigi nennt man »Regina montium«, das heißt »Die Königin der Berge« und irgendwie stimmt das.
Mit lächerlichen 1798m ist es angeblich der berühmteste Aussichtsberg der Schweiz. Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich kannte den Hügel gar nicht!
Klar die 4000er sind mir ein Begriff – Jungfrau, Eiger, Mönch oder auch das Matterhorn. Aber Rigi? Nie gehört!

Ein Wunder, dass ich hochgefahren bin!

Das Besondere der Rigi ist ihre Lage! Nicht nur, dass der Berg wie eine Insel zwischen dem Vierwaldstätter-, dem Zuger- und dem Lauerzersee aufragt, nein auch die Lage am Rande der Alpen macht diesen Berg einmalig.
Im Westen und vor allem im Süden der Rigi geht es richtig hoch. Blickst du hingegen nach Norden, kannst du bei gutem Wetter sogar den Schwarzwald sehen. Das ist total irre.

Egal wo ich auch hinblickte: BOAR!!!
Am faszinierendsten war jedoch der Blick nach Südwesten zu den Berner Alpen und den 4000ern.
Klar musste ich ein Panorama nach dem anderen aufnehmen.

Fototipp
Wenn deine Kamera keine Panorama-Funktion hat, ist das kein Beinbruch. Alle hier gezeigten Panoramen sind Einzelbilder, die nachträglich mit Lightroom zusammengefügt wurden.

Auch sonst fand ich dort oben jede Menge Motive, z.B. auf dem Klo.

Das Bild ist wohl Beweis genug, dass es sich bei der Rigi um eine internationale Touristenattraktion handelt. 🙂

Fototipp
Fototipp 10: »Habe immer eine Kamera dabei« – kommt bei diesem Motiv voll zur Geltung. Sogar auf dem Klo schadet es nicht, die Kamera griffbereit zu haben. 🙂

Wissenswertes zur Rigi

  • Achte auf die richtige Kleidung. Wir waren Ende April oben. Am See unten war es schon recht warm, auf dem Berg herrschte eisiger Winter.
  • Es gibt verschiedene Bahnen auf den Gipfel. (Achtung bei der Rückfahrt, dass du die richtige erwischst.)
  • Rigi-Kulm heißt die Station ganz oben.
  • Im Sommer fährt von Vitznau aus ab und zu eine Dampflok.
  • Der Sonnenaufgang muss der Hammer sein. (Habe ich nicht gesehen.)
  • Web: www.rigi.ch

Was meinst du? Hättest du den Fahrpreis bezahlt oder eher nicht? Oder warst du vielleicht schon auf der Rigi?
Kennst du andere tolle Aussichtsberge?


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