Sigma MAKRO 105mm F2,8 EX DG OS HSM in der Praxis – Test & meine Meinung

| Lesezeit ca. sieben Minuten

Für gute Makroaufnahmen brauchst du kein Makroobjektiv. Trotzdem, ein gutes Makroobjektiv macht dein Leben leichter und der Spaß steigt!
Ich schnappte mir das 105mm Makro  von SIGMA und ging auf die Jagd!
Ich bin begeistert.

Wenn du meine Serie über die Makrofotografie verfolgst, weißt du, dass ich erst vor Kurzem in das Thema Makro eingestiegen bin.
Das 105mm ist das erste Makroobjektiv, welches ich länger in der Hand halten konnten. Ich kann dir deshalb keine Vergleiche zu anderen Makroobjektiven bieten.
Außerdem findest du hier keine detaillierten Labortests zur Auflösung und Schärfe. Mir geht es darum, wie sich das Objektiv in der Praxis schlägt.

Mit meinem Beitrag will ich dich in deiner Kaufentscheidung unterstützen, vielleicht stehst du ja am gleichen Punkt wie ich und bist noch etwas unsicher.

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Der 1. Eindruck

Wow!
Mein erster Eindruck wurde schon bei der Übergabe des Paketes geprägt. Riesig! Das Paket – nicht das Objektiv 🙂

Dieser Eindruck festigte sich beim Auspacken. Der Lieferumfang ist vom Feinsten! Du bekommst:

  • einen riesigen Köcher zur Aufbewahrung und zum Transport
  • einen Trageriemen
  • 2 Streulichtblenden (Vollformat und APS-C)
  • eine brauchbare Anleitung
  • das Objektiv inkl. vernünftiger Verschlusskappen.

So muss das sein.

Das Objektiv selbst hat den guten Eindruck nicht geschmälert:

  • schwer (725g)
  • solide verarbeitet
  • durchdacht (dazu später mehr)

Die Bilder

Musst du ein neues Objektiv oder eine neue Kamera auch sofort testen? Ich werde ganz hibellige, so lange nicht die ersten Bilder im Kasten sind.

Direkt nach dem Auspacken rastete das Objektiv mit einem Klick in mein Sony A-Bajonett ein. Sitzt, passt, wackelt nicht und hat keine Luft.

Dann ging es raus in den Garten – die Jagd nach Makromotiven ging los.

Das alles kann das Sigma MAKRO 105mm F2,8

EX: EX steht in diesem Fall für professionelle Festbrennweite.

DG: DG-Objektive kannst du an Vollformat-Kameras nutzen.

OS: Optischer Stabilisator

HSM: Ultraschallmotor (Hyper Sonic Motor) – bei HSM-Objektiven kommt ein Motor zum Einsatz, der durch Ultraschallwellen angetrieben wird.

APO: Bei APO-Objektiven wird durch die gezielte Kombination verschiedener Linsen die chromatische Aberration auf ein Minimum begrenzt.

IF: IF steht für Innenfokussierung.
Zwecks Scharfstellung werden nur eine oder mehrere Linsengruppen im Inneren des Objektivs bewegt. Der Vorteil, die Länge des Objektivs ändert sich beim Fokussieren nicht und die Frontlinse dreht sich nicht.

CONV: An CONV-Objektiven kannst du den 1,4* – oder 2-fach APO EX DG Telekonverter* verwenden.

Schalter und Knöpfe

Direkt am Objektiv findest du 3 Schalter

Bereichsbegrenzer
Ganz oben ist der Bereichsbegrenzer, damit greifst du dem Autofokus unter die Arme. Hier kannst du einstellen, ob du im Makromodus (geringer Abstand zum Objekt) oder in der Ferne fotografieren willst.

Fokussiermethode (AF/MF)
Mit diesem Schalter bestimmst du, ob du manuell fokussieren willst oder ob der Autofokus arbeiten soll.

Beides funktioniert tadellos. Bei Makros fokussiere ich aber lieber manuell.

Bildstabilisator
Mit dem Schalter OS aktivierst du den Bildstatilisator des Objektivs. Es gibt 2 Stufen.
1. Horizontale und vertikale Bewegungen werden stabilisiert.
2. Vertikale Bewegungen werden stabilisiert.

Meine Sony Alpha 65 hat zwar einen stabilisierten Sensor, ich finde den Bildstabilisator im Objektiv jedoch besser und nutze während meines Test auch nur diesen.

Der Grund ist schnell erklärt. Makros fotografiere ich fast nur mit Stativ (= Stabi aus). Will ich ihn doch aktivieren, muss ich nur am Objektiv umschalten und nicht erst umständlich in die Tiefen des Kameramenüs abtauchen.

Meine Intuition täuschte mich nicht. Ein kleiner Test mit Filmaufnahmen zeigt, dass der Bildstabilisator des Objektivs Verwackler besser kompensiert. Ob sich diese Erkenntnis auf Fotos übertragen lässt, ist natürlich eine andere Frage.

Das Bild anklicken, das Video öffnet sich dann direkt bei YouTube!

Die Streulichtblende

Lobenswert ist, dass Sigma eine Streulichtblende für Vollformatkameras und einen Adapter für APS-C Kameras beilegt. Da ich mit einem APS-C Sensor arbeite, wird das Objektiv bei mir zu einem wahren Monster.
Adapter + Streulichtblende verlängern das Objektiv um mehr als 10cm!

Kleines Detail am Rande: Der Objektivdeckel lässt sich auch auf den APS-C Adapter aufsetzen!
Solche Details zeigen, dass man bei Sigma mitdenkt!

Fotografieren mit dem Sigma MAKRO 105mm F2,8 EX DG OS HSM

Makros

Du würdest diesen Beitrag nicht lesen, wenn du keine Makros machen wolltest. Richtig?

Kurz und bündig:
Mit dem Sigma Makros zu fotografieren, macht richtig Spaß und das Ergebnis ist genial.

An meiner APS-C Kamera schaffe ich knapp ein Abbildungsmaßstab von 1:1 bei einem Abstand zum Objekt von ca. 14cm.
Mit Zwischenringen geht noch etwas mehr.

Die Offenblende von f/2.8 ist für Makros kaum zu gebrauchen, die Schärfentiefe ist einfach zu gering. Dafür liefert das Objektiv hier schon gestochen scharfe Bilder. Die Blende lässt sich bis f/22 schließen. Ab f/18 tritt bei mir aber sichtbare Beugungsunschärfe auf.

Bei Makros bewege ich mich meist zwischen f/8 und f/13. Das ist für mich der optimale Kompromiss aus Lichtstärke und schärfe.

Unterm Strich kommt es aber darauf an, was du machen willst.

Teleobjektiv

Eigentlich ist das Sigma 105mm Makro ein normales Teleobjektiv. Die Makrofunktion ist nur Bonus. 105mm als Tele sind durchaus brauchbar. An APS-C erhältst du sogar etwas mehr als 150mm!

Mit einer Anfangsblende von f/2.8 eignet es sich zudem gut für Sport- und Tierfotografie, wo es auf kurze Belichtungen ankommt. (Sofern dir die Brennweite reicht).

Portraits

An einem APS-C Sensor ist das Sigma zu lang für Porträts. Außer du willst unbemerkt jemanden ablichten 🙂

Die Bildqualität

Ich ziehe meinen virtuellen Hut! Fotografieren macht mir immer Spaß, mit dem Objektiv von Sigma macht es aber tatsächlich noch ein bisschen mehr Spaß!

Chromatische Aberrationen sind verstärkt ein Problem von Weitwinkelobjektiven. Erwartungsgemäß treten sie bei dieser Brennweite fast gar nicht auf.
Bei offener Blende gibt es zwar eine Farbverschiebung in den unscharfen Bereichen, diese verschwindet aber mehr und mehr, je weiter du die Blende schließt.
Sehen tust du das aber eh nur bei einem 1:1 Ausschnitt deines Bildes.

Wie oben schon erwähnt, finde ich die Schärfe über einen weiten Bereich sehr gut. Gegen Beugungsunschärfe kann auch Sigma nichts machen, das ist Physik. Die Schärfe bei offener Blende hat man dafür umso besser hinbekommen.

Überzeuge dich aber selbst. In diesem Bild findest du 1:1 Ausschnitte jeder 2. Blendenstufe. (Klicke hier für die volle Auflösung!)

Preis/Leistung

Das Sigma 105mm Makro kostet bei Amazon.de* mit Sony Anschluss aktuell 369,99 Euro. Das geht in Ordnung!
Die Preise für Nikon und Canon liegen in einer ähnlichen Region.

Sicherlich ist das Objektiv keine eierlegende Wollmilchsau, aber das ist eine Festbrennweite nie!
Es ist ein Makroobjektiv. Dafür wurde es gebaut und in diesem Bereich liefert es absolut überzeugende Ergebnisse.

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Das Sigma 105mm Makro und die Konkurenz

Sigma ist nicht alleine mit seinem Objektiv. Sony und Tamron haben auch ihre Eisen im Feuern.

Die im Folgenden aufgeführten Objektive kenne ich (noch) nicht. Der Vollständigkeit halber, wollte ich sie aber nicht unerwähnt lassen:

Sony SAL-100M28 2,8
Also Sony-Fotograf geht mein Blick immer zuerst in das eigene Regal.
100mm Brennweite, f/2.8 und vollformattauglich.
Mit einem Straßenpreis von derzeit 819,00€ würde ich aber jedem zum Sigma raten. Einziger Vorteil des Sony-Objektivs ist das geringere Gewicht: 505g vs. 725g

Das Sony SAL-100M28 bei Amazon.de*

Tamron SP 90mm F/2.8 Di USD
Auch das Tamron-Objektiv hat vergleichbare Daten, obwohl 90mm natürlich deutlich kürzer sind als 105. Bei Insekten zählt oft jeder Millimeter (Fluchtdistanz).
Leichter als das Sigma ist es aber auch: 550g.
Straßenpreis: 370,90€

Tamron SP 90mm F/2.8 Di USD bei Amazon.de*

Achtung!
Beide Objektive haben keinen eingebauten Bildstabilisator. Tamron liefert das Objektiv mit anderen Anschlüssen zwar mit Stabi aus, für Sony jedoch ohne.

Mein Fazit

Ich bin begeistert. Sowohl von der Makrofotografie als auch vom Sigma 105mm.

Das Gewicht des Objektivs stört mich überhaupt nicht. Meist arbeite ich eh mit Stativ, da fällt es sowieso nicht auf, aber auch Freihand, micht stört es nicht.
Ganz im Gegenteil, schraube ich jetzt ein anderes Objektiv auf meine Kamera, fühlt es sich billig an, weil es leichter ist 🙂

In letzter Zeit habe ich einiges probiert, um Makros zu fotografieren. Zwischenringe, Retroadapter und Makrolinsen. Die besten Ergebnisse mit geringstem Aufwand habe ich aber mit dem Makroobjektiv erzielt.

Kombinierst du das Objektiv mit Zwischenringen, landest du in einer ganz anderen Welt.

Ich wiederhole mich: Ich bin begeistert!

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Hast du auch ein Makroobjektiv? Welches?

Stand der Preise: 07.09.2018

Sigma stellte mir das Objektiv für den Test kostenlos zur Verfügung.