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Fotografieweisheiten und deren Bedeutung ein Gastbeitrag von Sebastian Jacobitz

Es gibt eine Vielzahl von ungeschriebenen Regeln in der Straßenfotografie und Zitate die mantramäßig wiederholt werden. Einige zum Teil sogar so oft, dass Sie ihre eigentliche Bedeutung verloren haben und nicht mehr verständlich ist, weshalb sie eigentlich eine so große Bedeutung haben. Deshalb werden im folgenden Artikel populäre Zitate und deren eigentliche Bedeutung näher beschrieben.

Fangen wir an mit einem Zitat von Bruce Gilden

“Wenn du den Ort riechst während du das Bild betrachtest, dann ist es ein gutes Straßenfoto” — Bruce Gilden

Dies ist ein hervorragendes Zitat, um zu verdeutlichen, dass ein Foto mehr als nur unsere Augen ansprechen sollte. Als Betrachter sollten wir die Möglichkeit haben ganz im Bild und deren Atmosphäre eintauchen zu können. Gute Bilder sprechen mehrere oder sogar alle Sinne an und ermöglichen das Erleben einer anderen Zeit oder Ortes. Wenn ein Bild diese Sinne nicht anspricht wirkt es flach und eindimensional.

“Du nimmst kein Foto auf, du erstellst es” — Ansel Adams

Gerade in der Straßenfotografie ist die Versuchung groß einfach nur eine Szene schnappschussmäßig schnell einzufangen und wieder zu gehen. Beachte allerdings, dass es keine zweite Chance in diesem Genre gibt. Es gibt kaum eine Möglichkeit dieses eine Bild und diese Situation noch einmal einzufangen. Anstatt einfach nur blind draufzuhalten, mache dir im Vorfeld Gedanken darüber wie dein Bild aussehen soll. Ohne eine richtige Bildidee im Kopf zu haben, wirst du niemals eigene Bilder erstellen können, sondern immer nur Zufallstreffer landen. Da mögen zwar auch ab und an gute Fotos bei rauskommen, aber diese sind eben eher das Resultat des Zufalls und keine bewussten Fotografie.

“Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, dann bist du nicht nah genug dran” — Robert Capa

Eines der berühmtesten Zitate in der Dokumentarfotografie stammt von Robert Capa, ein Fotograf der hauptsächlich in der Kriegsreportage zuhause war. Es gibt mehrere Wege sein Zitat zu interpretieren. Buchstäblich gesehen, bedeutet sein Ausspruch, dass du als Fotograf näher an die Szene die du fotografieren willst herangehen sollst. Etwas weitergreifender kann man es aber auch so verstehen, dass du als Fotograf dich emotional der Szene nähern solltest und nicht alles nur als weit entfernter Betrachter darstellen sollst.

In der Straßenfotografie ist ein beliebter Fehler während der Anfangszeit, dass man zu viel Respekt hat näher an die Szene heranzutreten. Die Bilder werden aus großer Entfernung geschossen ohne einen klaren Fokus zu besitzen. Dies ist vor allem auf die Unsicherheit und Selbstzweifeln von Neulingen in der Straßenfotografie zurückzuführen. Zum Beispiel, dass man versucht, so viel Dinge wie möglich in einem Bild unterzubringen, um es interessanter zu gestalten. Oftmals erreicht man jedoch nur das Gegenteil, das Bild wirkt chaotisch und verfolgt keine klare Linie.

Indem man näher herantritt, verkleinert sich der Bildausschnitt und das Bild wirkt insgesamt “aufgeräumter”. Ein ablenkender Hintergrund ist nicht mehr so prominent und insgesamt verbessert sich die Bildsprache. Näher heranzugehen ist eine der einfachsten, jedoch effektivsten Methoden, um die Komposition und die Qualität eines Bildes zu verbessern.

“Deine ersten 10.000 Fotos sind deine schlechtesten” — Henri Cartier-Bresson

Abhängig davon, ob du eher optimistisch oder pessimistisch bist könnte dieses Zitat dich eher anspornen oder von Zweifeln plagen. Wenn du noch innerhalb der ersten 10.000 Auslösungen in deiner jungen Fotokarriere bist, heißt das nicht, dass jedes Bild einfach nur schlecht ist und du es nicht zeigen solltest, aber das hoffentlich deine nächsten 10.000 Bilder die vorherigen bei Weitem übertreffen werden.

Dies ist eine einfache Aussage, die oftmals unterschätzt wird. Fotografie ist auf den ersten Blick ziemlich einfach zu lernen, aber es erfordert einen sehr hohen Einsatz, diese Kunst zu beherrschen. Niemand würde anzweifeln, dass ein Musiker nach 10.000 Stunden der Übung besser ist als nach nur 5.000 Stunden. In der Fotografie jedoch, gibt es viele Personen die bereits nach kurzer Zeit den Eindruck haben ein Meisterstück nach dem Anderen zu produzieren. “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen” und die Fotografie zu erlernen erfordert großen Fleiß und viele viele Stunden, auch wenn es zunächst einfach erscheint.

Im Nachhinein wird Bressons Zitat meist deutlicher wahrgenommen. Auf der anderen Seite verbessern wir uns stetig. Die darauffolgenden 10.000 Bilder werden hoffentlich wieder besser als die Vorherigen und dies setzt sich immer so fort. Des Weiteren muss diese Regel nicht wortwörtlich gesehen werden. Auch nach 10.000 Bilder macht es nicht plötzlich “klick” und du machst auf einmal nur noch bessere Bilder. Vielmehr ist die Fotografie ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess und kurzfristig sind auch mal Schwankungen zu beobachten.

“Das wichtigste Element einer Kamera sitzt kurz hinter dem Sucher” — Ansel Adams

Ein wunderbares Zitat, um all die Diskussionen um Kameratechnik zu beschwichtigen. Zugegeben, eine gutfunktiorende Kamera macht mehr Spaß im Umgang, aber das wichtigste Werkzeug bleibst Du. Deine Vorstellungskraft, was Du siehst, wovon du dich inspirieren lässt und was du letztendlich kreierst in deinen Bildern ist was am meisten zählt.

Betäube deine Sinne nicht mit unsinnigem Technikkram, sondern verwirkliche deine Vision in deinen Bildern.

“Die beiden herausragendsten Fähigkeiten eines Fotos ist es neue Dinge vertraut wahrzunemen und vertraute Dinge neu zu entdecken” — William Thackeray

Dieses Zitat erinnert mich an eine Aussage von Garry Winogrand

“Ich fotrafiere Dinge, um herauszufinden wie es fotografiert aussieht.

Wenn wir fotografieren, können wir nicht immer sicher sagen wie es am Ende wirken wird. Auch wenn dies für die Analogfotografie zutreffender ist, da dort viele Faktoren wie z.B. die Art der Entwicklung das Bild veränderten, ist es zum Teil auch für die Digitalfotografie wahr.

Unsere Wahrnehmung unterscheidet sich sehr von der eines technischen Sensors. Wir sind häufig von Emotionen begleitet und verzerren die Wirklichkeit, während die Kamera einen objektiven Blick behält.

Ein Portrait lässt uns einem fremden Menschen sehr nahe kommen, obwohl dieser in der Realität ganz anders wahrgenommen werden könnte. Es gibt keine objektive wahre Realität, deshalb gibt es auch keine “korrekte” Darstellung in der Dokumentarfotografie. Am Ende beeinflusst der Fotograf immer das Ergebnis seines Bildes und manchmal ist seine Realität auch für ihn überraschend.

“Kodak verkauft Film, aber Sie preisen nicht den Film an, Sie verkaufen Erinnerungen” — Theodore Levitt

Wenn mich jemand fragen würde, was der Grund ist weshalb ich mich für die Straßenfotografie entschieden habe, wäre dieses Zitat wohl am passendsten. Mit Hilfe der Kamera eine Geschichte zu erzählen ist das größte Gut eines Bildes, Emotionen auszulösen und Eindrücke zu hinterlassen ebenfalls.

Falls du noch nicht weißt was du mit deiner Kamera heute anstellen willst, dann behalte dieses Zititat im Hinterkopf. Fotografiere was dir wichtig ist, konserviere Erinnerungen und mache diesen zukünftigen Generationen zugänglich. Am Ende könnte deine Fotografiesammlung eine Spiegelung deines Lebens und deiner Erfahrungen sowie Eindrücke sein.

“Die Person die bereit ist Risiken einzugehen, sich zwischen dem Bekannten und Unbekannten aufhält, die keine Angst vor dem Versagen hat, wird es schaffen” -Gordon Parks

Straßenfotografie ist zu einem Großteil eine persönliche Herausforderungen, über das Eingehen von Risiken und dem Überweinden unserer Ängste. Ohne die Komfortzone zu verlassen wird es schwierig sein in diesem Genre Fuß zu fassen, denn es gibt keine andere Möglichkeit sich dort weiterzuentwickeln und Kritik wahrzunehmen.

Dieser Prozess ist begleitet von Rückschlägen und Misserfolg. Nicht aufzugeben, immer hart zu arbeiten für sein Ziel und nach jedem Misserfolg wieder optimistisch nach vorne zu blicken muss dein Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Zeit in der Straßenfotografie sein.

Sebastian Jacobitz ist ein Straßenfotograf aus Berlin und zusammen im Kollektiv Berlin 1020 fangen sie das Leben dieser Stadt ein. Auf seinem englischsprachigen Street Photography Blog veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen Tipps für interessierte Straßenfotografen, als auch Inspiration.

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Ein Kommentar zu “Fotografieweisheiten und deren Bedeutung ein Gastbeitrag von Sebastian Jacobitz

  1. Burkhard

    Ein sehr schöner Blogbeitrag, der zum Nachdenken anregt. Besonders der Teil über die ersten 10.000 Fotos hat mir gefallen. Ich kann das nur bestätigen. Habe so ungefähr die ersten 10.000 hinter mir. Danke für deinen tollen Artikel.

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